UN-Sondergesandter: Schlepper nutzen Rettungsaktionen aus

29. November 2016, 17:28
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Deutscher Diplomat: Bergungsaktionen im Mittelmeer können nur ein Teil der Lösung sein

Berlin – Schlepper machen sich laut dem UN-Sondergesandten in Libyen, Martin Kobler, Rettungsaktionen vor der afrikanischen Küste gezielt zunutze. "Europäische Schiffe sind nur außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone unterwegs. Deswegen bringen Schleuser die Menschen an die Grenze der Zwölf-Meilen-Zone und rufen sogar die italienische Küstenwache an: Holt diese Menschen jetzt dort ab", sagte Kobler am Dienstag.

In einem Interview mit dem Sender Deutsche Welle erklärte der deutsche Diplomat, die Seerettung sichere den Fluchtweg über das Mittelmeer ab. "Natürlich haben die Operationen diesen 'Pull-Faktor', dass sie die Leute anziehen, deshalb können sie auch nur ein Teil der Lösung sein", fügte er hinzu. "Solange die Staatlichkeit in Libyen nicht wiederhergestellt wird, wird der Menschenschmuggel nicht aufhören." Zur Bekämpfung der Schlepper brauche man "repressive Maßnahmen", sagte der UN-Sondergesandte. "Diese Leute müssen bestraft werden." Unabhängige Gerichte gebe es in Libyen jedoch nicht.

Kobler appellierte an die Politik, frühzeitig die demografischen Veränderungen in Afrika, Nahost und Europa zu berücksichtigen: "Es ist wichtig, dass wir heute schon anfangen, an das Szenario 2050 zu denken. 2,2 Milliarden Menschen aus Afrika werden nach Norden drängen. Man muss viel intensiver in den Ursprungsländern anfangen." (APA, 29.11.2016)

  • Martin Kobler fordert repressive Maßnahmen gegen Schlepper.
    foto: apa/afp/coffrini

    Martin Kobler fordert repressive Maßnahmen gegen Schlepper.

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