Die Opec hat sich im Machtpoker verspekuliert

Analyse30. November 2016, 06:00
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Die Waffe des Ölkartells, per Reduktion oder Ausweitung des Angebots die Preise zu setzen, ist stumpf geworden

Wien – Die Rahmenbedingungen für die Opec könnten schlechter nicht sein. Der Preis für ein Fass Rohöl (159 Liter) grundelt zwischen 40 und 50 Dollar herum, weil die Märkte überquellen vor Öl und die Nachfrage nicht Schritt hält. Selbst im Staatshaushalt Saudi-Arabiens, des mit Abstand wichtigsten Mitglieds der Organisation erdölexportierender Länder, klafft ein Riesenloch.

Bestrebungen, das Ruder noch einmal herumzureißen, um verlorengegangene Stärke zurückzugewinnen, gab es die vergangenen eineinhalb Jahre zuhauf. Und auch heute, Mittwoch, werden die Ölminister des nach dem Beitritt von Gabun diesen Sommer auf 14 Mitglieder angewachsenen Interessenklubs einen Versuch starten, gemeinsam zu marschieren.

Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird man sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können – und der heißt Festschreibung der im September in Algier grundsätzlich vereinbarten Deckelung der Opec-Produktion bei 32,5 bis 33 Millionen Fass am Tag. Zum Vergleich: Im Oktober haben die Opec-Mitgliedsländer zusammen rund 33,6 Millionen Fass am Tag gefördert.

Putin-Land braucht Devisen

Aus der schon seit längerem angepeilten Einbindung wichtiger Rohölproduzenten außerhalb der Opec, namentlich Russlands, wird so schnell wohl auch nichts werden. Moskau ermuntert seine Ölförderunternehmen ein ums andere Mal, mit voller Kraft vorauszufahren. Konsequenz: Ein Produktionsrekord folgt auf den anderen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Das unter internationalen Wirtschaftssanktionen leidende Putin-Land braucht Devisen, je mehr, desto besser.

Dabei hat das Unglück aus Sicht der Opec zu einem Zeitpunkt begonnen, als alles wunderbar schien. Die Ölpreise lagen bei 100 Dollar und darüber, die Weltklimakonferenz von Paris und der Beschluss der Staatengemeinschaft, bis 2050 aus fossilen Treibstoffen auszusteigen und so den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad zu begrenzen, schien weit weg. Nur die Amerikaner nervten.

Die hohen Ölpreise brachten mit sich, dass eine altbekannte, aber bis dato unwirtschaftliche Technologie sich zu rechnen begann: Fracking. Eine wahre Bonanza setze ein. Immer mehr Ölfirmen begannen, ölhaltige unterirdische Gesteinsschichten in den USA mit hohem Druck unter Beigabe von Chemikalien, Wasser und Sand aufzusprengen. Die Opec, allen voran Saudi-Arabien, wollte die ungeliebte Konkurrenz unter allen Umständen aus dem Markt drängen – und verspekulierte sich gewaltig.

Produktion aus vollen Rohren

Statt den Ölpreisverfall, wie gewohnt, durch Drosselung der Produktion zu stoppen, produzierten die Saudis volle Kanne weiter. Der Preisverfall, der im Sommer 2014 eingesetzt hatte, fand erst unter 30 Dollar je Barrel einen Boden. Marktanteilsgewinn über alles war die Devise, nach der Riad Politik machte. Gedacht war dies wohl auch als Schuss vor den Bug des wiedererstarkten Iran, des ewigen Konkurrenten im Erdölkartell.

Den Fracking-Unternehmen in den USA hat das Machtspiel der Saudis weniger geschadet. Zwar hat das schwächste Dutzend nicht überlebt, alle anderen Fracking-Unternehmen sind aber deutlich stärker geworden und können durch Effizienzsteigerungen und verfeinerte Technologie nun günstiger Öl produzieren denn je. (Günther Strobl, 30.11.2016)

  • Der Ölminister Saudi-Arabiens, Khalid al-Falih.
    foto: apa/afp/fayez nureldine

    Der Ölminister Saudi-Arabiens, Khalid al-Falih.

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