"Tempel"-Serie auf ZDF neo: Die Faust der Gerechtigkeit

30. November 2016, 06:00
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Sentimental, vorsehbar und voller Pathos – die neue Serie auf ZDF neo

Zum Thema Sterbehilfe hat Mark Tempel einen ganz klaren Standpunkt: "Ich mach' so was nicht." Aber wie das Leben so spielt, wird er bald seine Meinung ändern. Müssen.

Denn während der Pfleger noch der alten Dame mit Krebs im Endstadium das Morphiumpflaster aufklebt und dazu sich Frankie Vallies You're too good to be true auf dem Plattenspieler dreht, betreten am Beginn der ersten Folge von Tempel, dienstags auf ZDF neo, vermummte Männer sein Haus und schlagen mit Baseballschlägern alles kurz und klein, Tempels Frau im Rollstuhl und die halbwüchsige Tochter kommen mit dem Schrecken davon, aber trotzdem.

Die Kindgeige ist zertrümmert, die Wohnung kaputt, und an die Hausverwaltung kann man sich nicht wenden, denn von daher rührt das Unrecht. Da kommt so viel zusammen. Mark Tempel ist jetzt sauer. Er muss es jetzt richten, und damit es auch richtig wehtut, war der Softie mit der sanften Stimme im früheren Leben knallharter Boxer. Die Vergangenheit holt ihn ein, und schon bald muss der Faustschlag für Gerechtigkeit sorgen.

Das ist die Ausgangssituation der sechsteiligen Serie, man hat solches schon ein, zwei Mal gesehen. Rocky erging es so, aber auch Quai Chang Caine, wir erinnern uns an Kung Fu, den man so lang fuchste, bis dem stad schauenden Shaolinmönch die Hutschnur hochging und er ausgefressene Westler armeeweise um die Strecke brachte. Held halt.

Tempel orientiert sich an dieser Tradition und hat doch nichts davon gelernt. 30 Minuten dauert eine Folge Heldenkampf. Sentimental, vorsehbar und voller Pathos – nach zwei Folgen bleibt nur eine Frage offen: Wieso? (Doris Priesching, 30.11.2016)

  • Ken Duken in "Tempel".
    foto: zdf neo

    Ken Duken in "Tempel".

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