Wolfgang Hermann: Montafon statt Mallorca

29. November 2016, 16:31
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Der Vorarlberger Autor liest aus "Herr Faustini bleibt zu Hause". Einmal in Schruns, einmal in Bregenz

Mit der Veranstaltungsreihe "Das Felder-Archiv geht aufs Land" verlässt die Institution sporadisch ihren Stammsitz in Bregenz und bringt die Literatur ein Stück weiter: Aktuell führt die Reise in den Süden, zumindest bis Schruns. Ein solcher Ausflug läuft fast schon unter "verwegen" für Wolfgang Hermanns Romanfigur, über die es im Buchtitel heißt: Herr Faustini bleibt zu Hause.

Dabei lässt der Vorarlberger Autor, der seit einer Weile wieder in Wien lebt, seinen bescheidenen Helden keineswegs die ganze nebelige Zeit im Häuschen in Hörbranz zubringen – Herr Faustini führt die Winterstiefel aus, fährt Bus und Regionalzug, und ganz zuletzt bringt er es unverhofft zu einer Fahrt auf dem Sozius eines Motorrads. Ein junger Kurzzeitkollege kurvt mit dem eben wieder zum Privatmann gewordenen Faustini die Bödelestraße hinauf, so dass der stets Zurückhaltende "beinahe in seinen Helm hineingejauchzt" hätte.

Nicht zu unterschätzen ist die mittlerweile schon im vierten Buch kultivierte, aktuell im LangenMüller-Verlag verortete Höflichkeit des Junggesellen ohne Vornamen. Diese Höflichkeit kann auch dann zielführend sein, wenn das Ziel Abschreckung lautet. Die bis zu einem unangemeldeten Besuch inklusive Küchenkoitus sich steigernden Avancen einer ehemaligen Mitschülerin bringt der Heimgesuchte durch seine spezielle Version der "Frage danach" zum Erliegen: "Ob er Uschi noch einen Tee nachgießen dürfe, erkundigte sich Herr Faustini." (pen, 29.11.2016)

1. 12., Schruns, Montafoner Heimatmuseum, 19.00;
2. 12., Bregenz, Theater am Kornmarkt, 20.00

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