TV-Film "Die vierte Gewalt": Journalismus zwischen Scoop, Skandal und Skrupel

Ansichtssache30. November 2016, 09:00
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Reporter Jan Schulte will endlich wieder eine fixe Anstellung, zugespielte Dokumente rund um einen vermeintlichen Skandal sollen dabei helfen – Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Berlin – "Sie brauchen Klicks. Viele Klicks", sagt Frank Gruber (Devid Striesow), Pressereferent der deutschen Gesundheitsministerin Elisabeth Stade, zu dem freien Journalisten Jan Schulte (Benno Fürmann) und wundert sich, warum dieser ein Porträt der noch recht unbekannten Nachwuchspolitikerin Pflüger schreiben will: "Ist das nicht viel zu feuilletonistisch für ein Onlinemedium?" Und wittert gleich ein Komplott. So beginnt der Fernsehfilm "Die vierte Gewalt".

Da hat er nicht ganz unrecht, Schulte wurden nämlich Papiere zugespielt. Offenbar hat die Gesundheitsministerin ihre Position ausgenutzt, damit ihr Bruder bei einer Herztransplantation bevorzugt behandelt wird. Ein gefundenes Fressen für Schulte. Er wittert einen großen Scoop, den hat er auch bitter nötig.

Der freie Journalist, Alleinerzieher einer pubertierenden Tochter, ist pleite. Die Geschichte soll ihm endlich eine Fixanstellung bei dem seriösen Blatt "Die Republik" bringen. "Die vierte Gewalt" (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) verhandelt Verflechtungen zwischen Journalisten, Herausgeber, Politik und Werbung. Regie führte Brigitte Maria Bertele, das Drehbuch stammt von Jochen Bitzer nach eine Idee von Georg Feil.

foto: ndr/marc meyerbröker

Dass alte Geschäftsmodelle für Verlage nicht mehr funktionieren, bekommt vor allem Schulte zu spüren. Früher war er ein erfolgreicher Auslandskorrespondent, jetzt muss er schauen, wie er das Geld für die Privatschule seiner Tochter zusammenkratzt. Er glaubt aber weiterhin an seinen Job, daran, etwas verändern zu können.

Geld und Anzeigenkunden

Auch "Die Republik" sieht sich noch immer als investigative Kraft zwischen all den Boulevardblättern, die es mit der Wahrheit nicht ganz so ernst nehmen. Für sie zählen Geld und Anzeigenkunden.

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foto: ndr/marc meyerbröker

Unabhängig ist aber auch "Die Republik" nicht. Der Herausgeber Joseph Winter (Ulrich Matthes) ist eng verbandelt mit der Gesundheitsministerin Stade (Victora Trautmansdorff). Sollte an Schultes Informationen etwas dran sein, ist sie ihren Job los. Das will Winter zwar verhindern. Trotzdem verspricht er Schulte eine Anstellung. Ihn rührt Schultes Berufsethos, diese Unangepasstheit erinnert ihn wohl an gute, vergangene Zeiten.

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foto: ndr/marc meyerbröker

Clever und eloquent

Ganz im Hier und Jetzt hingegen ist Schultes Freundin Britta (Jördis Triebel). Sie ist eloquent, clever und will Karriere machen, ihren Platz in der "Republik" macht ihr niemand streitig. Sie freut sich auch über Schultes Chance. "Wenn das wirklich stimmt, dann gewinnst du damit sämtliche Journalistenpreise", sagt sie zwar, ist aber dann doch daran beteiligt, dass Schultes Geschichte nicht erscheint.

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foto: ndr/marc meyerbröker

Die zugespielten Unterlagen, die den Skandal rund um die Ministerin belegen sollten, werden aus der Redaktion gestohlen. Wer hat aller ein Interesse daran, die Geschichte zu verhindern? Hier beginnt das Verwirrspiel. Wie weit geht Schades Pressereferent, und was hat die junge Politikerin Katharina Pflüger (Franziska Weisz) damit zu tun?

Vorurteile

Fragen nach dem Wert von Qualitätsjournalismus und den Abhängigkeiten zwischen Verlagen, Politik und Anzeigenkunden werden in "Die vierte Gewalt" durchwegs spannend behandelt.

Schade nur, dass manchmal schon recht intensiv Vorurteile bedient werden und Dialoge oft allzu klischeehaft geraten. Etwa wenn sich zwei Chefredakteure so über ihre Zukunft unterhalten: "Wenn wir das zu einer Regierungskrise hochjazzen, kriegen wir Neuwahlen. Bringt uns alle wieder in die schwarzen Zahlen!" (Astrid Ebenführer, 30.11.2016)

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