Jugendliche Ängste gehen unter die Haut

30. November 2016, 09:00
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Depressionen schlagen sich bei Jugendlichen eher auf den Magen, Angststörungen verursachen häufiger Hautprobleme, zeigt eine Studie

Basel – Es gibt Redewendungen, die das Thema Psychosomatik anschaulich in Sprachbilder verpacken: Während manchen Menschen bei einem Streit die Galle hochkommt, gehen anderen Probleme regelrecht an die Nieren. Psychologen der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum konnten nun erstmals zeitliche Muster für sogenannte somatoforme Störung identifizieren. Das heißt konkret: Bei Jugendlichen treten Arthritis und Erkrankungen des Verdauungssystems häufiger nach Depressionen auf. Im Gegensatz dazu verursachen Angststörungen verstärkt Hautkrankheiten.

Die Forscher analysierten dazu die Daten einer repräsentativen Stichprobe aus den USA. Insgesamt waren es 6.483 Probanden im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Es zeigte sich, dass Kinder und Jugendliche an manchen körperlichen Krankheiten auffällig häufig erkranken, nachdem sie bereits unter bestimmten psychischen Störungen gelitten hatten. Umgekehrt traten manche psychischen Störungen öfter nach bestimmten körperlichen Erkrankungen auf. So zogen etwa Herzprobleme vermehrt Angststörungen nach sich.

Epilepsie und Essstörungen

Zudem konnte ein enger Zusammenhang zwischen epileptischen Erkrankungen und manchen Essstörungen gefunden werden, wie die Forscher betonen. "Wir fanden heraus, dass Epilepsie ein erhöhtes Risiko für Essstörungen nach sich zieht – ein Phänomen, das bislang nur an wenigen Patienten beschrieben wurde. Dies deutet darauf hin, dass Ansätze der Epilepsiebehandlung auch im Kontext von Essstörungen Potenzial haben könnten", sagt Marion Tegethoff, Erstautorin der Studie.

Die Forscher sehen in den Ergebnissen ein Indiz dafür, dass psychische Störungen und körperliche Erkrankungen auch ursächlich miteinander zusammenhängen können. Das Fazit der Studienautoren: Es sei nötig, die Behandlung psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen bereits im Kindes- und Jugendalter eng miteinander zu verzahnen. (red, 30.11.2016)

  • Psychische Probleme von Teenagern können sich auch über spezifische körperliche Symptome zeigen, wie Forscher herausgefunden haben.
    foto: apa/ap/petros giannakouris

    Psychische Probleme von Teenagern können sich auch über spezifische körperliche Symptome zeigen, wie Forscher herausgefunden haben.

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