"This Human World": Turteltauben und Teufelskerle

30. November 2016, 09:00
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Das Filmfestival zeigt ein umfangreiches Angebot an Filmen über Menschenrechte

Wien – Wie lässt sich das Herz einer holden Maid gewinnen? Mit Reizwäsche, mit Blumen oder mit einem Schuss arterienfrischen Lammbluts? Barakah erscheinen zwar viele Möglichkeiten mehr oder minder plausibel, um bei Bibi, dem nicht gänzlich abgeneigten Objekt seines Schmachtens, zu landen, die Erfolgsaussichten sind jedoch bloß mittelprächtig.

foto: this human world
Auch wenn hinter jeder saudischen Ecke die Religionspolizei lauert: In "Barakah Meets Barakah" von Mahmoud Sabagh muss der Angebeteten ein Angebot gemacht werden.

Dies liegt nicht allein daran, dass Barakah ein staatstreuer Beamter ist, während Bibi als moderne Videobloggerin vor dem Abschluss eines millionenschweren Werbedeals steht. Noch viel entscheidender ist, dass Barakah Meets Barakah in Saudi-Arabien spielt – sowohl für die Turteltauben als auch für das Aufscheinen der romantischen Komödie im Programm von This Human World.

Unter der neuen Leitung von Djamila Grandits und Julia Sternthal werden bis 11. 12. über hundert Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme den Themen Menschenrechte und Grundfreiheiten eine große Leinwand bieten. Die in den letzten Jahren zumindest sehr publikumswirksamen alternativen Pornos wurden zwar gestrichen, mit neun Themenschwerpunkten, einer Jugendschiene und einem Wettbewerbsprogramm, das sich heuer unter anderem auch dem Animations- und Experimentalfilm widmet, präsentiert sich das Festival aber recht breitgefächert.

So kann Mahmoud Sabbaghs mehr ideell denn handwerklich überzeugendes Debüt Barakah Meets Barakah, worin erstaunlich locker über den Umstand gespaßt wird, dass hinter jeder saudischen Ecke die Religionspolizei lauern könnte, um außerehelichen Annäherungen schnellstens ein Ende zu bereiten, neben Vladi Antoneviczs Credit for Murder positioniert werden, einem so ausgefeilten wie düsteren Dokumentarfilm.

Angestoßen von einem Internetvideo, das die Ermordung zweier junger Männer durch russische Neonazis zeigt, machte sich der israelische Filmemacher unter Moskauer Rechtsradikalen auf eine riskante Spurensuche. Das Resultat ist so spannend wie verstörend, selbst wenn viele der Thesen, darunter die insinuierte Billigung der Verbrechen durch Putin, letztlich im Raum stehenbleiben. Die geschickte Dramaturgie und die Selbststilisierung des Regisseurs und ehemaligen Elitesoldaten Antonevicz als recherchierender Teufelskerl lassen die Widerhaken dieses Thrillers nur noch tiefer in die Hirnrinde sinken. (Dorian Waller, 30.11.2016)

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