Vorarlberg will Sozialarbeit in Rumänien verbessern

29. November 2016, 16:20
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Vorarlberg will künftig mehr Hilfe zu Selbsthilfe in der Entwicklungszusammenarbeit und beginnt mit Rumänien

Bregenz – Mit besserer Ausbildung von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern will das Land Vorarlberg "Menschen am Rande der Gesellschaft" in Rumänien helfen. Konkret geht es um Roma-Familien, die durch Sozialarbeit wieder "Zukunft im eigenen Land sehen sollen". 250.000 Euro stellt das Land in den nächsten drei Jahren zur Verfügung, um in Kooperation mit der Hilfsorganisation Concordia in Rumänien Sozialarbeiter und -arbeiterinnen auszubilden.

In der Concordia-Akademie werden 80 Fachkräfte aus der Sozialarbeit über Weiterbildungsmodule für die direkte Arbeit mit unterstützungsbedürftigen Menschen vorbereitet. Praktische Arbeit mit Klientinnen und Klienten sei in der rumänischen Sozialarbeit nicht üblich, sagt Landesrat Johannes Rauch (Grüne), sie beschränke sich auf Bürotätigkeit.

Die Ausbildungsmodule werden mit der Fachhochschule Vorarlberg erarbeitet, unterrichten werden Vorarlberger Fachleute, die aus der Praxis kommen. Ein Ziel der Vorarlberger Unterstützung: Familien, die Not leiden, sollen durch die Beratung Zugang zum rumänischen Sozialsystem erhalten, das sie aus Unwissenheit nicht in Anspruch nehmen, wie die Vorarlberger Politiker in Erfahrung gebracht haben.

Kalter Winter für Notreisende

Rauch bezeichnet das Projekt als langfristige Hilfe. Sein Regierungspartner Markus Wallner (VP) scheint Zweifel zu haben, ob Sozialarbeit Roma-Familien helfen könnte. "Wir hatten Diplomaten aus Rumänien zu Besuch", erzählte Wallner beim Pressefoyer nach der Regierungssitzung am Dienstag, "die haben wir gefragt, was sie uns im Umgang mit den Roma empfehlen könnten". Die Antwort sei gewesen, diese Bevölkerungsgruppe sei nur schwer integrierbar, auch zu Hause in Rumänien ließe sie sich schwer integrieren, wolle Sozialhilfe nicht in Anspruch nehmen.

Notreisende aus Rumänien sind in Vorarlberg nicht willkommen, Kommunen versuchen sie durch Bettelverbote und Strafen zu vertreiben. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) hatte große Mühe, Winterquartiere zu organisieren. Es gibt nun zehn Schlafplätze in Feldkirch und bei Bedarf Notschlafstellen in Bregenz und Dornbirn. Sie werden nur Frauen mit Kindern, Schwangeren und gebrechlichen Menschen zur Verfügung gestellt.

Hilfe zu Selbsthilfe

Weitere Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit sind Hilfe für Flüchtlinge aus Syrien und die Verhinderung von Fluchtbewegungen, die der Klimawandel auslösen könnte. Rauch will neue Strategie entwickeln, dazu gehören genau definierte und zeitlich befristete Projekte. Rauch: "Es wird keine Dauerabos mehr geben." Auch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern soll verbessert werden.

Ein Beispiel für Kooperation mit den Nachbarn ist die Unterstützung von Kriegsflüchtlingen im Lager Dohuk im Nordirak. Vorarlberg trägt gemeinsam mit der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg mit je 50.000 Euro zur Finanzierung einer Schule und von Winterquartieren für Familien bei.

Als besonders gelungenes Beispiel von Hilfe zu Selbsthilfe nennt Rauch ein Projekt der Eine-Welt-Gruppe Schlins/Röns. Engagierte Menschen aus den beiden kleinen Walgau-Dörfern helfen Dorfbewohnern der Region Mdabulo in Tansania beim Bau von Wasserleitungen durch Know-how und Spenden. Das Land unterstützt sie mit 50.000 Euro. (Jutta Berger, 29.11.2016)

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