Thalia: E-Books bringen Taschenbücher unter Druck

29. November 2016, 15:10
27 Postings

Künftig wolle man Kunden in allen Kanälen abholen und sich gegen Amazon behaupten

Der stationäre Buchmarkt ist in Österreich von Jänner bis Oktober um 4 Prozent zurückgegangen, online um 6,9 Prozent gewachsen. Der Buchhändler Thalia hat sich nach Unternehmensangaben in diesem Zeitraum stationär und online besser als der Markt entwickelt. Künftig wolle man Kunden in allen Kanälen abholen und sich mit einer Omni-Channel-Strategie gegen den Versandriesen Amazon behaupten.

Das Produkt Buch muss attraktiver werden, erklärte Josef Pretzl , Geschäftsführer von Thalia Österreich, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Marktanteil von rund 20 Prozent

"Thalia besitzt im E-Book-Markt inzwischen einen Marktanteil von rund 20 Prozent", so Manuel Herder Verleger und Mehrheitsgesellschafter von Thalia. Herder ist überzeugt, dass der Buchhandel die Digitalisierung hinter sich hat. "Vor zehn Jahren war die Zukunft des Buchs ungewiss", so Herder. Die Branche habe sich aber am Riemen gerissen und sich der Digitalisierung gestellt. "Es gibt nichts, was wir noch digitalisieren können", meinte er.

Die Services auf verschiedenen Kanälen im Rahmen der Omni-Channel-Strategie werden laut Pretzl gut angenommen: Beispielsweise werde fast ein Viertel der Bücher von den Kunden online reserviert und in den Filialen abgeholt. "Innerhalb einer Stunde erhält der Kunde die Antwort, wann er sein Buch abholen kann", erklärte Pretzl.

20 bis 25 Prozent des Buchmarktes in den USA

E-Books halten in den USA mittlerweile 20 bis 25 Prozent des Buchmarktes. In Europa ist man davon noch weit entfernt, aber das Geschäft mit E-Books wachse sehr dynamisch. Diese würden vor allem von Viellesern gekauft, die die elektronische Variante als Zusatz zum normalen Buch sehen.

Besonders bei Belletristik berichten Verlage laut Herder über wachsende E-Book-Raten, die die Taschenbücher unter Druck bringen. Schön gebundene Ausgaben würden sich stabil entwickeln. Hier sieht Pretzl auch die Chance, mehr zu verdienen. "Die Kunden wollen was Schönes", so Pretzl. Der Trend gehe dazu, die Qualität dieser Ausgaben zu verbessern, dann könnten die Händler auch höhere Preise verlangen.

Expansion mit Augenmaß

Bei den Investitionen fließe etwa die Hälfte ins stationäre Geschäft, der Rest wird in den Online-Bereich gesteckt. "Thalia setzt auch in Österreich auf Expansion mit Augenmaß, das heißt die gezielte Erweiterung des flächendeckenden Filialnetzes", so Herder. Man werde weiter in Flächen investieren, wo Menschen am Konsumieren sind, also Einkaufszentren und -straßen, meinte Pretzl. Die Filialen des einst kriselnden Buchhändlers würden aber kleiner werden.

Die besten Kunden sind laut Pretzl Frauen: Sie kaufen zwei Drittel aller Bücher. Besonders wichtig sei es aber, auch die nächste Generation zum Lesen von Büchern zu bewegen. Dafür würden die Familienabteilungen in den Geschäften immer mehr ausgebaut. Die schwierigste Gruppe, Burschen ab 12 Jahren, versuche man, mit Science-Fiction ins Boot zu holen.

"Die Wertschöpfung passiert in Österreich"

Bücher bleiben auch weiterhin das Kerngeschäft und spielen 60 Prozent des Umsatzes ein, der Rest entfällt auf Geschenkartikel, Künstlerbedarf und Co.

Zu Weihnachten sollen auch heuer unter jedem zweiten Baum Bücher liegen. Ins Weihnachtsgeschäft ist der Buchhändler nach eigenen Angaben gut gestartet. "Es herrscht gute Stimmung", so Pretzl, es werde brav gekauft.

Thalia betreibt in Österreich 35 Filialen und beschäftigt 850 Mitarbeiter. Man bilde 100 Lehrlinge aus, im kommenden Sommer sollen wieder 30 dazukommen. "Die Wertschöpfung passiert in Österreich", betonte Pretzl, "es werden Mitarbeiter beschäftigt, Umsätze gemacht und Steuern bezahlt". (APA, 29.11. 2016)

Link

Thalia

  • Tolino-Ebook Reader von Thalia.
    foto: apa

    Tolino-Ebook Reader von Thalia.

Share if you care.