"Islamischer Staat" schießt mit slowenischer Munition

29. November 2016, 14:38
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Afghanische Armee erhielt Mörsergranaten als Geschenk – Kriegsmaterial gelangte nach Libyen, in den Irak und nach syrien

Ljubljana – Von der slowenischen Armee ausgesonderte Munition dürfte in die Hände der IS-Terroristen gefallen sein. Das haben die Tageszeitung "Delo" und das Nachrichtenportal "BalkanInsight.com" mit Bezug auf einen Bericht der britischen Organisation Conflict Armament Research (CAR) berichtet. Die CAR-Forscher verfolgen in Konfliktgebieten die Herkunft der Waffen.

Dabei fanden sie slowenische Waffenvorräte und Munition bei Terroristen im Irak und in Syrien sowie in Libyen. Die Munition solle aus jugoslawischer Zeit stammen und sei von Slowenien an Afghanistan gespendet bzw. in die Slowakei zur Vernichtung gebracht worden. Konkret handelt es sich um eine in Libyen gefundene Panzerabwehrrakete, eine leere Kiste für Mörsergranaten aus dem Irak und eine weitere in Syrien gefundene Rakete.

Slowenien bestätigt Seriennummern

Slowenien soll allerdings nicht direkt für die Munitionslieferungen verantwortlich sein, so "BalkanInsight.com". Man gehe davon aus, dass sie über andere Länder in die Kriegsgebiete gelangt seien. Die Munition wurde noch zu Zeiten des gemeinsamen jugoslawischen Staates hergestellt, weshalb die Ausrüstung mit identischen Seriennummern auch aus einer der anderen früheren Teilrepubliken stammen könnte. Allerdings hat bisher Slowenien als einziges Land bestätigt, die Ausrüstung mit den gleichen Seriennummern, die in den Konfliktzonen gefunden wurden, in seinen Armeevorräten aufbewahrt zu haben.

Unklar bleibt, wie die slowenische Ausrüstung in den Nahen Osten gelangte. Die M79-Rakete aus Libyen teilt sich z. B. die Seriennummer mit mehr als hundert gleichen, die im Jahr 2005 zur Vernichtung in ein jetzt nicht mehr existierendes Staatsunternehmen in die Slowakei gebracht wurden. Laut slowenischen Behörden bestätigte das slowakische Unternehmen die Vernichtung mit detaillierten Dokumenten. In Bratislava hieß es, die Sache werde überprüft.

Nato-Spende

Bei der leeren Granatenkiste aus dem Irak soll ein Zusammenhang mit einer Spende an die afghanische Armee im Rahmen der Nato im Jahr 2008 bestehen. Das Verteidigungsministerium in Ljubljana bestätigte, identische Mörsergranaten nach Afghanistan geschickt zu haben.

Die im Rahmen der NATO gespendeten Waffen zur Aufrüstung der afghanischen Armee seien so erfasst worden, damit man sie rückverfolgen könnte. Nachdem sie ausgehändigt worden waren, konnten allerdings weder Slowenien noch andere Länder "die weitere Anwendung überwachen", so das slowenische Verteidigungsministerium laut "Delo". (APA, 29.11.2016)

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