Amazon Echo (Dot) im Test: Hilfsbereiter Big Brother

3. Dezember 2016, 09:58
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Der smarte Lautsprecher des Onlineshopping-Giganten ist jetzt auch in Österreich angekommen

Der Wow-Effekt ist vorhanden: Da staunt die Oma nicht schlecht, als nach der in den Raum geworfenen Frage an Alexa, wie denn das Wetter in Wien sei, plötzlich eine weibliche Computerstimme mit der akkuraten Temperatur antwortet. Dass ein kleines Gerät immerzu lauscht und auf zahlreiche Fragen und Befehle reagiert, gefällt überraschend vielen Menschen. In den USA hat sich Amazons smarter Lautsprecher Echo, der zu seiner Markteinführung mit Häme überschüttet wurde, zu einem veritablen Erfolg gemausert. Jetzt hat Amazon den Echo samt der kleinen Echo Dot-Variante auch in den deutschsprachigen Raum gebracht. Der WebStandard hat sich angesehen, wieviel Substanz hinter dem Hype steckt.

Nützlicher Mitbewohner

Tatsächlich ist der Echo, das Sprachrohr von Amazons digitaler Assistentin Alexa, recht nützlich. Neben der bereits erwähnten Wetterauskunft kann Alexa beispielsweise als Wecker benutzt werden, nach enzyklopädischem Wissen abgefragt werden oder Musik abspielen. Alexa greift dafür auf unterschiedliche Dienste zurück. Nachrichtenbeiträge und Radio-Livestreams sind etwa über TuneIn abrufbar, das auch österreichische Sender anbietet. Musikstreaming erfolgt über das hauseigene Amazon Prime Music und Spotify. Bei Kalenderfunktionen kann Google Calendar integriert werden. Schwergewichte wie Apple Music oder Deezer fehlen jedoch.

foto: standard/apo
Der Echo soll sich mühelos in die Wohnung integrieren

Hinkt Vielfalt der US-Version hinterher

Prinzipiell lässt sich festhalten, dass der Echo Dot hierzulande den Möglichkeiten in den USA logischerweise hinterherhinkt. Die sogenannten "Skills" sind ausbaufähig. Dabei handelt es sich um Zusatzfunktionen, die Alexa über den Zugriff auf fremde Angebote ausführen kann. Auf Deutsch können etwa Kochrezepte von "Chefkoch" oder Informationen nach Lokalen und Geschäften von "Das Örtliche" abgefragt werden. Taxis können via "Mytaxi" bestellt werden, während "Uber" im Gegensatz zu den USA fehlt. Transportinformationen gibt es momentan nur von der Deutschen Bahn und den Berliner Öffis. Es ist aber zu erwarten, dass mehr "Skills" im Laufe der Zeit freigeschalten werden.

standard/fsc
Der Echo Dot – die kleinere Variante – verfügt nur über rudimentäre Lautsprecher, kann aber an externe Ausgabegerät angeschlossen werden.

Alexa kann gut Deutsch

Die Spracheingabe funktioniert auf Deutsch relativ gut. Wer deutlich und hochdeutsch spricht, hat große Chancen, von Alexa schon beim ersten Anlauf verstanden zu werden. Zusätzlich kann der Echo über die "Amazon Alexa"-App gesteuert werden. Deren Inbetriebnahme ist auch für das Setup des smarten Lautsprechers nötig, das in wenigen Minuten erledigt ist. Der Echo kommt auch in der kleineren Echo Dot-Variante, bei der nur rudimentäre Audioausgabe möglich ist – dafür können Nutzer schon für 59,99 Euro in die smarte Zukunft schnuppern.

Smart Home

Seine großen Stärken soll der Echo nämlich in einem vernetzten Zuhause ausspielen, wenn etwa über die Spracheingabe Heizung und Licht gesteuert werden können. Da das "Smart Home" allerdings noch nicht sonderlich weit verbreitet ist, dürften diesen Nutzen nur wenige Kunden schon jetzt erfahren. Ein weiteres zentrales Element ist natürlich die enge Verknüpfung mit Amazon. Prinzipiell können Waren sehr einfach über den Echo geordert oder Wunschlisten für den nächsten Einkauf erstellt werden.

standard/fsc
Mit einem Durchmesser von 8,5 Zentimetern stört der kleinere Echo Dot die meisten Mitbewohner nicht

Alles Amazon

Das kann man natürlich auch kritisch sehen: Amazon baut sich momentan mit großer Kraftanstrengung ein eigenes Ökosystem auf, das Nutzer komplett an sich binden will. Da gibt es die Mitgliedschaft bei Prime, den hauseigenen Streaming-Dienst für Filme und für Musik, Cloud-Angebote und jetzt eben noch den Echo. Konsumentenschützer müssen hier genau aufpassen, dass fremde Dienstleistungen auch auf dem Echo verfügbar sind, damit auch noch Firmen neben Amazon (und Google und Apple) bestehen können.

Angst vor Überwachung

Darüber besorgt zu sein, dass ein Gerät im Haushalt immerzu mithört, kann spätestens seit den NSA-Enthüllungen von Edward Snowden auch nicht mehr als reine Paranoia abgekanzelt werden. Zwar lässt sich die Zuhörfunktion des Echo per Knopfdruck deaktivieren, ob einem das als Schutz genügt, muss jeder selbst entscheiden. Nicht zu unrecht war der Echo zu seiner Markteinführung mit dem Televisor aus George Orwells "1984" verglichen worden.

Fazit

Insgesamt lässt sich sagen, dass Amazon mit dem Echo tatsächlich ein feines Gerät gelungen ist, dessen Nutzung durchaus Sinn ergibt. Grundsätzlich ist es auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, ob man lieber mit einem Gadget spricht oder sich die Informationen über Smartphone-Eingaben holt. Wer gute Lautsprecher besitzt oder nicht plant, über den Echo Musik zu hören, kann sich jedenfalls die günstige Echo Dot-Variante besorgen, die mit Audio-Ausgabegeräten verbunden werden kann. Mit 179,99 Euro ist aber auch der reguläre Echo nicht übermäßig teuer. Bestellt wird übrigens über ein Anmeldeformular, bei dem man erst nach einigen Wochen eine Antwort erhält. Das Wettrennen um den smarten Mitbewohner ist jedenfalls auch hierzulande eröffnet – und Amazon hat mit dem Echo einiges vorgelegt. (Fabian Schmid, 3.12.2016)

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