"Owlboy" im Test: Das Retrospiel, das ein Jahrzehnt in Arbeit war

Rezension7. Dezember 2016, 10:08
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Das Action-Adventure "Owlboy" ist eine absolut gelungene Zeitreise mit Herz und Seele

Mit der Nostalgie ist das so eine Sache: Das sentimentale Zurückdenken an die Filme, Bücher oder Spiele der eigenen Jugendzeit lässt einen oft auch etwas, sagen wir mal: unkritisch und verklärt wohlwollend auf Dinge zurückblicken, die aus heutiger Sicht vielleicht dann doch gar nicht so toll waren. Es ist die Retro-Falle: In den vergangenen Jahren haben mit dem Erwachsenwerden einer spielenden Generation auch unzählige Trittbrettfahrer im Medium Computerspiele diesen Nostalgiebonus ausgenutzt und auch zu Recht überholte Spielideen, Grafikstile oder Gameplay-Konventionen wieder hervorgekramt.

Auf den ersten Blick scheint auch das soeben erschienene Action-Adventure "Owlboy" (Windows, 22,99 Euro) in die stetig wachsende Kategorie "Retronostalgie" zu fallen. Der über neun Jahre von einem internationalen Indie-Team entwickelte Platformer könnte bei oberflächlicher Betrachtung geradewegs aus der Ära des Super Nintendo stammen: Handgemalte 2D-Grafik, eine riesige, charmante Welt im Metroidvania-Stil und die altbekannten Dialoge im Sprechblasenformat lassen ebenso wie eine fast 1:1 aus dieser goldenen Vergangenheit übernommene Steuerung bei Spieleveteranen lebhafte Erinnerungen an die frühen Neunzigerjahre wach werden. Und doch sticht "Owlboy" aus der Masse an Retro-Spielen hervor – es ist schlichtweg ein großartiges, ja: ein zeitloses Spiel, das auch dem Blick ganz ohne rosarote Nostalgiebrille standhält.

Eulen unter sich

Wer die außergewöhnlich fantasievollen Trickfilme des großen Studios Ghibli schätzt, wird auch an der detailverliebten, fantastischen Welt von Owlboy seine Freude haben. Als stummer Eulenmensch Otus sind Spielerinnen und Spieler die unwahrscheinlichen Retter einer liebevoll gestalteten Welt, die von fliegenden Roboter-Piraten bedroht wird. Über die wendungsreiche Handlung soll an dieser Stelle nichts weiter gesagt werden, außer dass sich so mancher große Blockbuster von deren Fantasie und Ideenreichtum gern etwas abschauen dürfte. Dass "Owlboy" seinen Spielerinnen und Spielern zum Erzählen dieser Geschichte manchmal einen Tick zu häufig die Kontrolle über ihre Spielfigur entreißt, ist einer der wenigen Makel dieses Spiels.

Denn sowohl spielerisch als auch in Sachen Präsentation gibt es sonst kaum etwas zu bemängeln: Statt in klassischer Plattform-Tradition springend unterwegs zu sein, fliegt Otus die meiste Zeit elegant durch eine wirklich außerordentlich hübsche 2D-Welt mit liebevoll gestalteten Figuren und Gegnern. Die verschiedenen Weggefährten, die der Eulenjunge elegant durch die Lüfte trägt, fungieren sowohl als Erzähler, Hilfe und auch Waffen, wobei sich der Schwierigkeitsgrad des abwechslungsreichen Abenteuers angenehm steigert und nur in ganz wenigen Passagen wirklich herausfordernd oder gar frustrierend wird. "Owlboy" ist im Unterschied zu den meisten anderen Spielen mit Retro-Appeal keine "klassisch" harte Skills-Probe für Retro-Masochisten – zum Glück.

d-pad studio
Trailer zu "Owlboy"

Fazit

Es kann schwer sein, aus der Flut von an nostalgische Gefühle appellierenden Titeln die Juwelen herauszufinden – "Owlboy" ist eines. Mit diesem Action-Adventure haben nicht nur ältere Semester auf der Suche nach der verlorenen Jugend, sondern auch Spielerinnen und Spieler ganz ohne SNES-Vergangenheit große Freude. Es ist ein rundum gelungenes, liebevolles Abenteuer mit Herz und Seele für Spieler jeden Alters. (Rainer Sigl, 7.12.2016)

"Owlboy" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 22,99 Euro.

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