Neue DNA-Datenbank: Einem gefährlichen Schädlingen in die Gene geschaut

3. Dezember 2016, 18:45
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Über 1.000 Pflanzenwespen-Arten genetisch erfasst

München – Sie sind zwar nicht so bekannt wie ihre oft schwarz-gelb gefärbten Verwandten aus der Gruppe der "echten" Wespen, aber zumindest bei Land- und Forstwirten ebenso unbeliebt: Die Pflanzenwespen oder wissenschaftlich Symphyta. Deren gefräßige Larven ernähren sich bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich von Pflanzen und einige Arten können in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Zierpflanzenanbau großen Schaden anrichten. Nun haben deutsche Wissenschafter den genetischen Code von über 1.000 Pflanzenwespen-Arten entschlüsselt und in einer Online-DNA-Bibliothek frei zur Verfügung gestellt.

Anhand der Gencodes, können die Schädlinge in Zukunft rasch und sicher und vor allem bereits in einem frühen Entwicklungsstadium als Larven selbst durch Nicht-Spezialisten identifiziert werden. Die DNA-Datensammlung ist damit auch von großem wirtschaftlichem Nutzen bei der Schädlingsbekämpfung.

Die genetische Erfassung der Pflanzenwespen erfolgte im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Zoologischen Staatssammlung München und des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Insgesamt lagern in diesen beiden Sammlungen weit über 100.000 präparierte Pflanzenwespen. Seit 2010 werteten die Symphyten-Forscher der beiden Institute 5.360 Individuen aus, welche 1.030 verschiedenen Arten zugeordnet werden konnten, darunter etwa 300 außereuropäische Formen.

"Die Erfassung dieser großen Artenzahl war nur durch die umfangreichen Sammlungsbestände der beiden beteiligten Institutionen und die tatkräftige Unterstützung durch zahlreiche externe Fachkollegen möglich", meint Stefan Schmidt von der Zoologischen Staatssammlung München.

Vernachlässigte Insektengruppe

Die Pflanzen- oder auch Sägewespen sind eine von Taxonomen bislang eher vernachlässigte Insektengruppe innerhalb der Hautflügler. Grund hierfür ist die oft schwierige Bestimmung der Tiere anhand ihrer äußeren Merkmale, da sich viele Arten auch bei genauerem Hinsehen kaum voneinander unterscheiden oder die Merkmale innerhalb einer Art sehr variabel sind. Für solche Gruppen eignet sich die DNA-Barcoding-Methode zur Artbestimmung ganz besonders.

Die genetischen Daten bilden zudem eine wichtige Grundlage für weiterführende Untersuchungen zur Klärung der Taxonomie und Systematik dieser Gruppe. Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte "Barcoding Fauna Bavarica" und "German Barcode of Life". In diesen Projekten erfassen die Münchener Forscher den Gencode aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten in einer Online-Bibliothek und stellen ihn damit für Fachleute zur Verfügung. (red, 3.12.2016)

  • Eine Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabel-Blüte. Die Pflanzenwespen sind äußerlich nur schwer zu unterscheiden.
    foto: snsb-zsm

    Eine Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabel-Blüte. Die Pflanzenwespen sind äußerlich nur schwer zu unterscheiden.

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