Bisher unerkannter Laubfrosch in Ostasien enttarnt

4. Dezember 2016, 07:30
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Genetische Analyse zeigt: Der asiatische Laubfrosch Hyla japonica ist eigentlich zwei Arten

Berlin – Der rund um das Japanische Meer weit verbreitete asiatische Laubfrosch Hyla japonica sieht seinem europäischen Verwandten Hyla arborea zum Verwechseln ähnlich. Bisher galt die Spezies als einzige Laubfroschart in der Region, doch dem ist offenbar nicht so: Wie nun eine internationale Forschergruppe herausgefunden hat, stellt H. japonica eigentlich mindestens zwei Arten dar, die seit einigen Millionen Jahren getrennt voneinander existieren.

Der Laubfrosch Hyla japonica kommt in ganz Japan, auf der Koreanischen Halbinsel, in Ost-China und dem Fernen Osten Russlands vor. Die Forschergruppe unter der Leitung des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sammelte genetische Proben von lokalen Froschpopulationen, um deren evolutionäre Beziehungen zu entschlüsseln. Darüber hinaus rekonstruierten die Wissenschafter die eiszeitlichen Klima-Bedingungen, um während der Kaltzeiten geeignete Lebensräume, sogenannte glaziale Refugien, der Frösche zu identifizieren.

Laubfrosch aus Japan

Als die Forscher anhand der genetischen Daten evolutionäre Stammbäume berechneten, zeigte sich, dass es zwei genetisch unterschiedliche evolutionäre Gruppen gab: eine auf der Koreanischen Halbinsel und im Osten Chinas, die zweite im fernöstlichen Russland. Beide Gruppen treffen sich im südlichen Teil der japanischen Hauptinsel Honshu. Möglicherweise stammen die evolutionär ältesten Frösche also aus Japan und haben von dort aus das kontinentale Festland besiedelt.

Die gleiche Trennung der Arten zwischen Nordost- und Südwest-Japan ist auch bei anderen Arten von Fröschen oder auch Glattechsen (Skinken) bekannt. Was diese Trennung zwischen Nordost- und Südwest-Japan auslöst, ist eine noch offene Frage. Vieles deutet darauf hin, dass spät-miozäne vulkanische Aktivitäten, also vor rund 5 Millionen Jahren, in Zentral-Japan der Auslöser dafür waren.

"Einmal mehr zeigt sich, dass dem menschlichen Auge nur ein Teil der Amphibienbiodiversität zugänglich ist und es sich lohnt, mit molekularen Methoden genauer hinzuschauen", sagt Matthias Stöck, Leiter der Studie vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. (red, 4.12.2016)

  • Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, doch molekulargenetische Methoden zeigen, dass lange als weit verbreitet geltende ostasiatische Laubfrösche nicht nur eine, sondern zwei getrennte Arten sind.
    foto: pixabay/c.gordon

    Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, doch molekulargenetische Methoden zeigen, dass lange als weit verbreitet geltende ostasiatische Laubfrösche nicht nur eine, sondern zwei getrennte Arten sind.

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