Mafia-Prozess in Wien: Hauptbelastungszeuge trug schusssichere Weste

29. November 2016, 12:16
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Mann hatte im Ermittlungsverfahren gegen "Edo" ausgesagt – Wurde darauf angeblich im Gefängnis bedroht – Außerdem soll "Kopfgeld" von 250.000 Euro ausgelobt worden sein

Wien – Im Prozess gegen eine mutmaßliche mafiöse Bande, die unter anderem Schutzgeld-Erpressungen begangen haben soll, hat am Dienstag im Wiener Landesgericht der Hauptbelastungszeuge ausgesagt. Der Mann wurde von teilweise vermummten Justizwachebeamten in den Gerichtssaal gebracht, in dem sich schwer bewaffnete Wega-Beamte postiert hatten. Der Zeuge selbst trug eine schusssichere Weste.

Der Mann hatte die insgesamt sieben Angeklagten rund um den angeblichen Bandenboss Edin D. alias "Edo" im Ermittlungsverfahren massiv belastet. Er hatte ursprünglich in einem Lokal gearbeitet, das die Gruppierung erpresst haben soll, wechselte dann die Seiten und war für "Edo" tätig – für seine Beteiligung an Erpressungen wurde er in einem separat gegen ihn geführten Verfahren im vergangenen August in erster Instanz zu drei Jahren teilbedingter Haft verurteilt.

Dass er mit dem Strafverfolgungsbehörden kooperiert und sein Wissen dem Bundeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft anvertraut hat, wirkte sich bei der Strafbemessung mildernd aus. Für die Anklagebehörde offenbar zu milde – sie legte Strafberufung ein, über die Mitte Dezember verhandelt wird. Bis dahin ist der Mann in einem Gefängnis untergebracht, wo er seinen Angaben zufolge seit vergangenem August von einem Mithäftling bedroht wurde, der inzwischen in eine andere Justizanstalt verlegt worden ist. Auf den Mann, der "Edo" ans Messer geliefert hatte, soll außerdem ein "Kopfgeld" von 250.000 Euro ausgelobt worden sein.

Sonderlich furchtsam dürfte der Hauptbelastungszeuge nicht sein. Er hielt seinen ursprünglichen Antrag auf abgesonderte Vernehmung nicht aufrecht, sämtliche Angeklagte durften daher bei seiner Befragung anwesend sein und mussten damit wieder aus dem Landesgerichtlichen Gefangenenhaus in den Gerichtssaal gebracht werden. Das verzögerte die Verhandlung um rund 30 Minuten. (APA, 29.11.2016)

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