Mordversuch in Frankfurt: Prozess gegen Wiener in Niederösterreich

29. November 2016, 11:14
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Angeklagter hatte Mann in Lokal in Deutschland Messer in die Brust gerammt – 70-Jähriger bestritt Tötungsabsicht

Wiener Neustadt – Nach der Einvernahme des Beschuldigten und einer Videovorführung der damaligen Szenen in dem Lokal ist der Wiener Neustädter Prozess um eine Messerstecherei in Frankfurt am Main am Dienstag vertagt worden. Richterin Birgit Borns gab Beweisanträgen statt. U.a. sollen heute nicht erschienene Zeugen und auch das damalige Opfer ausfindig gemacht werden. Neuer Termin ist der 14. März 2017.

"Wir hatten alle nichts, aber es war okay", schilderte der nach seinem Werdegang befragte geschiedene Vater eines Sohns seine "relativ schöne" Kindheit im Wien der Nachkriegszeit, bis er nach zwei abgebrochenen Lehren in ein Erziehungsheim in Niederösterreich verfrachtet wurde. Das dort Erlebte habe ihn zu einem Menschen geformt, der sich nichts gefallen lässt. 1975 zog er zunächst nach Düsseldorf, dann nach Frankfurt.

"Es hat gekriselt. Es ist in der Luft gelegen, dass was passiert", beschrieb der Beschuldigte die Stimmung in der alkoholgeschwängerten Luft des Lokals. "Ich kenn' mich aus", verwies er auf 50 Jahre Erfahrung im "Milieu". So sei er zum Beispiel oft von Damenkränzchen "gebucht" worden als Begleiter / Beschützer bei Disco-Besuchen. Er sei angeschossen worden, drei Mal im Koma gelegen und ebenso oft verhaftet worden, allerdings, weil er mit einer anderen "Größe" aus Wien verwechselt worden sei. Er habe keine Vorstrafen und sein Geld immer "auf gerade Art" verdient, "aber manchmal muss man sich wehren", verriet er aus seiner Lebensschule. Wann immer er stattdessen abgewartet habe, sei ihm was passiert.

"Verdrängter" Gast

In jener Nacht Anfang März 2016 kam er mit einer Bekannten gegen 4.00 Uhr in das Lokal. Der Barmann verschaffte ihnen Plätze an der Theke, den dadurch "verdrängten" Gast habe er dafür auf ein Getränk eingeladen. "Um die Uhrzeit ist in einem Lokal im Bahnhofsviertel nicht grad' die Creme der Gesellschaft", veranschaulichte der Beschuldigte das Ambiente. Mit seinem späteren Kontrahenten hatte er zuerst gar nichts zu tun, der habe nur "sehr fahrig" gewirkt. Als er der Frau in seiner Begleitung Geld für ein Spiel am Automaten mit den Worten "nur Depperte hau'n ihr Geld dort rein" verweigerte, habe der Mann jedoch auf ihn hingeschlagen. Er schlug zurück, beide fielen übereinander auf den Boden.

Damit wäre die Sache für ihn erledigt gewesen, sagte der 70-Jährige – wenn nicht der Andere ihn a la "du bist scho tot und waaßt es net" bedroht und seine Mutter beschimpft hätte. Als er aufs Klo ging, hörte er von dessen Bekannten sinngemäß, dass man ihn schon erwischen werde. Er wollte das Lokal unbeschadet verlassen, aber die Kumpels des Mannes standen beim Ausgang und der Kontrahent habe weitergestänkert. So stach er zu – "klassisch präventiv", als Denkzettel nach dem Motto "mit mir net!", aber "nicht in mörderischer Absicht". Er habe das Klappmesser zuvor nicht griffbereit geöffnet gehabt, beteuerte er.

Bevor er zu einem Taxi ging, sagte er noch, man solle die Rettung rufen, betonte der Angeklagte. Er habe auch keineswegs seine Flucht vorbereiten wollen, sondern wäre an jenem Morgen eigentlich mit dem Zug nach Österreich gefahren, um – wie nachweislich alle 14 Tage – seine Mutter in einem Pflegeheim zu besuchen.

Da er den Zug versäumt hatte, fuhr er zu einem befreundeten Türsteher, um zu fragen, ob jemand ihn nach Wien bringen könnte. Dieser habe einen Anruf "von irgendeinem Jugo" – mutmaßlich also aus der "Albaner-Bande" – bekommen, dass das Opfer nicht schwer verletzt sei und "alles okay" wäre, wenn der Wiener Geld herausrücke. "Die können mich..." war seine Reaktion.

Laut Gerichtsmediziner Wolfgang Denk war das Opfer nach der Attacke ansprechbar, der Kreislauf durchgehend stabil, der Zustand nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Der Alkoholwert des Verletzten, dessen Adresse nicht bekannt ist, lag bei 0,7 Promille. Auch die Frau, in deren Begleitung der Angeklagte gewesen war, soll bis zur nächsten Verhandlung ausgeforscht werden. (APA, 29.11.2016)

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