Wie Roboter uns einmal pflegen werden

Userartikel6. Dezember 2016, 09:00
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Die Pflege älterer Menschen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wie können Roboter Pflegepersonal dabei unterstützen?

Immer mehr hochbetagte Menschen sitzen allein zu Hause oder liegen einsam in ihrem Zimmer in einem Seniorenheim. Der einzige menschliche Kontakt, den sie durch Betreuung und Pflege erfahren würden, wird durch Roboter ersetzt, die auch noch Arbeitsplätze kosten. Ein beunruhigendes Szenario, – doch wird die Zukunft der Altenpflege so aussehen? Die Entwicklung auf dem Gebiet der Robotik liefert für diese Befürchtungen verschiedene Gründe:

  • Roboter werden nicht mehr ausschließlich in Industriehallen gehalten, sondern aus ihren Käfigen freigelassen: Die Stunde der Servicerobotik hat geschlagen. Roboter begegnen uns jetzt schon vereinzelt und versuchsweise in Pflegezentren und werden in nicht allzu ferner Zukunft in Spitälern und Privathaushalten anzutreffen sein.
  • Roboter werden nicht nur intelligent, sondern mit einer sensorgesteuerten Auffassungsgabe ausgestattet sein: An der "Lernfähigkeit" von Robotern wird weltweit intensiv geforscht. Das Leistungsspektrum von Robotern wird deshalb immer weniger auf einfache und monotone Tätigkeiten beschränkt sein.
  • Roboter werden nicht mehr nur als maschinelle Werkzeuge, sondern als Gehilfen entworfen: Die alte Idee vom Roboter als Sklaven wird durch die des Begleiters ersetzt. Im Hinblick auf die Altenpflege werden Roboter als Bewacher, Assistenten und Partner entwickelt.

Der digitalisierte Alltag

Artificial Companion, der künstliche Gefährte, ist natürlich ein Schlagwort, das Aufmerksamkeit erregen und – im Hinblick auf demografische Entwicklungen – Forschungsmittel sichern soll. Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie hat aber gezeigt, dass der Begriff mehr ist, nämlich eine Leitvision. Sie leitet die Techniker und Designer an, die in den interdisziplinären Feldern Service Robotics, Artificial Intelligence und Human-Robot Interaction arbeiten.

Diese Metapher und der dahinterstehende Grundgedanke haben auch gestalterische Kraft und Auswirkungen auf die Zukunft. Wenn wir von "sozialen Robotern" sprechen, gibt diese Denkweise bereits den Weg in Richtung einer bestimmten Zukunft vor. Dies passiert im Übrigen auch durch die Semesterfrage "Wie leben wir in der digitalen Zukunft?": Sie nimmt bereits vorweg, dass wir unter Bedingungen leben werden, in denen Digitalität, Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0 vorherrschend sein werden. Wie sehr soziale Roboter unseren Alltag in einigen Jahren prägen werden, dazu wird derzeit auch an der Universität Wien mit dem Elsor-Ansatz "Every Day Life centered Approach of Social Robotics" geforscht.

Roboter kommen nicht in einen leeren Raum

Was ist vor diesem Hintergrund falsch am eingangs entfalteten Szenario? Roboter fallen nicht vom Himmel – sie werden von Entwicklern ersonnen, von Betreuungskräften eingesetzt und von Haus- und Heimbewohnern verwendet. So fortschrittlich Roboter in Zukunft auch sein mögen: Sie kommen nicht in einen luftleeren Raum, sondern in eine belebte Umgebung. Schneekugelszenarien, die dies ausblenden, finden sich nicht nur in den Publikumsmedien, sondern auch in der Forschung zu Human-Robot Interaction. Der Blick wird dabei verkürzt auf einen Menschen gerichtet, der in einem Labor einsam vor einem Roboter sitzt. In der Realität bewegen sich Menschen jedoch in einer sozialen Umgebung und setzen Autos, Smartphones und in Zukunft auch Roboter bei dem ein, was sie tun.

Stärkung der Professionalität

Das gilt auch für die Altenpflege. Hier ist es wichtig, das gesamte Pflegearrangement anzusehen, was auch technische Komponenten einschließt. So werden in der stationären Demenzbetreuung bereits heute testweise sozial assistive Roboter eingesetzt. Wir beobachten, dass sie direkt angesprochen werden oder auch über sie gesprochen wird. Wie andere Dinge wirken sie sich also auf Gespräche aus. Am ähnlichsten scheint uns diese Wirkung mit der von Haustieren zu sein. Manchmal besteht die Wirkung auch darin, dass das Betreuungspersonal einen anders nicht erlangbaren Zugang zu einem Bewohner erhält. Fachkräfte werden hier also nicht nur nicht durch Roboter ersetzt, Robotik stärkt vielmehr Professionalität.

Natürlich kann das soziale Umfeld durchaus so beschaffen sein, dass Menschen sehr wenig Kontakt zu anderen Menschen haben: Alterseinsamkeit ist ein wichtiges gesellschaftliches und gesundheitliches Problem. Aber es greift zu kurz, dafür den Einsatz von Robotern als Ursache anzusehen.

Roboter für Sie und Ihre Verwandten?

Können Sie sich vorstellen, dass Pflegepersonal später einmal durch Roboter unterstützt wird oder Pflegebedürftige Assistenz im Alltag für verschiedene Tätigkeiten erhalten? Welche Bereiche des täglichen Lebens könnten Ihrer Meinung nach durch Roboter bereichert werden – und was müssten diese leisten können? Posten Sie Ihre Antworten im Forum, Michaela Pfadenhauer wird die Beiträge in einem Q&A-Artikel aufgreifen und diskutieren! (Michaela Pfadenhauer, 6.12.2016)

Michaela Pfadenhauer ist Professorin am Institut für Soziologie der Universität Wien. Sie forscht unter anderem über die Herausforderungen der Social Robotics für Sozialität und über Kulturwandel und Mediatisierung.

Michaela Pfadenhauer auf der Website der Universität Wien

Zum Thema

Hinweis: Die "Semesterfrage" ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Kooperation mit der Universität Wien. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

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    Wie werden die Berührungspunkte zwischen Robotern und Menschen in Zukunft aussehen?

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