Schlimmste je registrierte Korallenbleiche am Great Barrier Reef

29. November 2016, 11:33
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Am Nordende des Riffes sind in den letzten Monaten zwei Drittel der Korallen abgestorben

foto: greg torda, arc centre of excellence for coral reef studies
Abgestorbene Korallen in der roten Zone am Zenith Reef im Norden des Great Barrier Reef.

Sydney – Die sich seit Frühling abzeichnende Hiobsbotschaft für das weltgrößte Korallenriff hat sich bestätigt: Das Great Barrier Reef in Australien hat in diesem Jahr die schlimmste je erfasste Korallenbleiche zu verkraften. In einer 700 Quadratkilometer großen Region im nördlichen Teil des mehr als 2.300 Kilometer langen Riffs seien in den vergangenen 8 bis 9 Monaten zwei Drittel der Korallen abgestorben, manche Korallenbänke hätten gar keine lebenden Korallen mehr, bilanzierten Wissenschafter der James-Cook-Universität am Dienstag.

Als Bleiche wird ein Verblassen der farbenprächtigen Steinkorallen bezeichnet: Bei zu hohen Wassertemperaturen stoßen die Nesseltiere die für die Färbung sorgenden Algen ab, mit denen sie sonst in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen leben. Ohne die sogenannten Zooxanthellen können sie auf Dauer nicht überleben und sterben ab, wenn sich die Algen nicht binnen einiger Wochen oder Monate wieder ansiedeln.

foto: greg torda, arc centre of excellence for coral reef studies
Ebenfalls rote Zone: Tote Steinkorallen der Spezies Acropora cervicornis am Bourke Reef.

Von El Niño angeheizt

Ursache der Bleiche am Great Barrier Reef sei der Klimawandel, erklärte David Wachenfeld von der zuständigen Marinepark-Behörde (GBRMPA). "Wir sehen hier aus erster Hand, welche Bedrohung der von Menschen verursachte Klimawandel für die Korallenriffe ist." In den vergangenen Monaten sei das Wetterphänomen El Nino hinzugekommen, das die Temperaturen zusätzlich habe steigen lassen.

Die Region zwischen dem nördlichsten Teil der Ostküste und Papua-Neuguinea war bisher der intakteste Teil des Riffs. "Die Region war von den Bleichen 1998 und 2002 nur wenig betroffen, aber dieses Mal sind die Schäden groß", sagte Terry Hughes, Leiter des Instituts für Korallenforschung. Die Rückkehr endgültig abgestorbener Korallen könne 10 bis 15 Jahre dauern – wenn es keine weiteren Störungen gebe.

Stabile Situation im Süden

Vor Cairns und weiter südlich, wo die meisten Touristenboote zum Tauchen und Schnorcheln starten, war die Lage deutlich besser. Dort starben nur sechs Prozent der Korallen ab. Südlich von Mackay waren es sogar nur ein Prozent. "Die Korallen dort haben ihre bunten Farben wieder und die Riffe sind in gutem Zustand", sagte Professor Andrew Baird. Er hatte die Riffe im Oktober und November mit einem Team von Tauchern untersucht.

Höhere Wassertemperaturen schwächen das ohnehin fragile Ökosystem der Riffe. Die Widerstandsfähigkeit gegen Einflüsse wie Stürme, Krankheiten, Umweltverschmutzung durch den Schiffsverkehr und den Dünger- und Pestizid-Eintrag von küstennahen Feldern sinkt.

foto: tory chase, arc centre of excellence for coral reef studies
Im Vergleich zum Norden geht es den Korallenbänken in der grünen Zone verhältnismäßig gut. Das Bild stammt aus dem Gewässern um die Capricorn-Inselgruppe im Süden des Great Barrier Reef.

Neues Schutzprogramm

Am Donnerstag will die australische Regierung neue Schutzmaßnahmen für das Riff vorstellen. Das Great Barrier Reef ist seit 1981 als Weltnaturerbe anerkannt. Die UN-Kulturorganisation Unesco hatte mit dem Entzug dieses Status' gedroht, falls die Regierung nicht mehr unternehme, um die Einzigartigkeit der Region zu erhalten. Sie verlangt regelmäßige Berichte über die Fortschritte.

Das Great Barrier Reef ist nicht nur ein einzigartiges Ökosystem, sondern auch einer der größten Touristenmagneten im Land. Die Besucher bringen rund fünf Milliarden australische Dollar (3,5 Mrd Euro) ins Land, der Sektor beschäftigt 70.000 Menschen. (APA, red, 29.11.2016)

  • Die Karte zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Der Süden des Great Barrier Reef zeigte kaum Schäden.
    karte: arc centre of excellence for coral reef studies

    Die Karte zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Der Süden des Great Barrier Reef zeigte kaum Schäden.

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