Ranking: Österreich wird für Führungskräfte attraktiver

29. November 2016, 13:05
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Laut einer privaten Wirtschaftshochschule in der Schweiz haben sich die Bedingungen für talentiertes Führungspersonal hierzulande verbessert. Über die genauen Gründe gibt die Studie keine Auskunft

Wien – Österreich steht laut einem Ranking beim weltweiten Wettbewerb um talentierte Führungskräfte besser da als noch vor einem Jahr. Das Land macht im World Talent Report der in Lausanne ansässigen privaten Wirtschaftshochschule IMD den größten Sprung nach vorne und verbessert sich von Rang 19 auf den achten Platz.

Dieser Aufholprozess ist aber relativ, gibt es doch starke Schwankungen von einem aufs andere Jahr. Vor dem Rückfall im Vorjahr lag Österreich 2014 auf Platz 11, 2010 belegte Österreich gar noch den vierten Platz. Insgesamt wurden 61 Länder miteinander verglichen.

grafik: apa

Das Ranking basiert auf drei bewerteten Faktoren: Investitionen und Entwicklung, Anziehungskraft für ausländische Talente sowie die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften.

Topgehälter hoch – Ranking gut

Am besten schneidet Österreich beim Faktor Investitionen und Entwicklung (Rang 4) ab. Indikatoren hierfür sind beispielsweise die Höhe der Bildungsausgaben oder das rechnerische Verhältnis von Lehrern zu Schülern.

Beim Faktor "Anziehungskraft für ausländische Talente" liegt Österreich hingegen nur auf Rang 17. Hier werden so unterschiedliche Indikatoren wie das Gehaltsniveau für Manager (wo Österreich gut abschneidet), die Lebensqualität (Österreich belegt Platz zwei hinter der Schweiz), Lebenshaltungskosten und die Höhe der effektiven Einkommensteuer für einen Durchschnittsverdiener (bei beiden Indikatoren liegt Österreich weit zurück) herangezogen. Die Logik ist klar: Je höher das Gehaltsniveau für Topverdiener und je niedriger die Einkommensteuer, desto höher das Ranking.

Details bleiben offen

Österreich hat aber vor allem beim dritten Faktor, der Verfügbarkeit von Hochqualifizierten, aufgeholt. Dabei geht es etwa um die Qualität des Bildungssystems. Unter anderem wurden auch die Ergebnisse der Pisa-Studie einbezogen, Österreich liegt hier auf Rang 19. Die Studie lässt aber einige Fragen offen: Welche Einzelindikatoren genau für das diesjährige Steigen im Ranking verantwortlich sind, geht daraus nicht hervor.

Aufholbedarf attestieren die Autoren dem Land jedenfalls bei der Verankerung von naturwissenschaftlichen Fächern im Unterricht und der kurzfristigen Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften.

Kleine Länder im Spitzenfeld

Neun von zehn Wirtschaftsnationen, die im weltweiten Wettbewerb um talentierte Führungskräfte am besten aufgestellt sind, liegen in Europa. Ganz vorne liegen nicht große Länder wie Deutschland (11.), die USA (14.), Großbritannien (20.), Frankreich (28.) oder China (43.). Die ersten fünf Plätze belegen die traditionell führende Schweiz, Dänemark, Belgien, Schweden und die Niederlande. Finnland, Norwegen, Österreich, Luxemburg und Hongkong bilden den Rest der Top Ten.

Professor Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center, über die Relevanz des Rankings: "Talentierte Menschen sind eine wesentliche Säule für die Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Es stimmt zwar, dass in der Region generell weiter viele Probleme bestehen, einschließlich des schwachen Wirtschaftswachstums, nachlassender Dynamik und negativer Erwartungen. Die Qualität des Ausbildungssystems und das Engagement bei der Förderung von Talenten – vom Kleinkind bis ins hohe Alter – dürfte aber langfristig Europas Wettbewerbsfähigkeit erhalten."

Hohe Frauenerwerbsquote von Vorteil

Ziel des World Talent Reports ist es zu bewerten, wie Länder ihren Pool an Talenten aufrechterhalten. Empirische Untersuchungen würden zeigen, so die Autoren, dass die Qualität und Verfügbarkeit von Führungskräften vor allem von einem guten öffentlichen Bildungssystem abhängt. Weitere positive Einflussfaktoren seien die Diversität der Arbeitnehmer sowie eine Internationalisierung, die sich etwa in guten Fremdsprachenkenntnissen und einer hohen Arbeitskräftemobilität widerspiegelt. Auch eine hohe Frauenerwerbsquote würde die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Führungskräften erhöhen. (smo, 29.11.2016)

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