Bei "Zaman" in Deutschland geht das Licht aus

28. November 2016, 18:21
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Deutsche Ausgabe der türkischen Zeitung gibt auf – Anzeigenkunden seien bedroht und eingeschüchtert worden

Berlin – Auch wenn das regierungskritische türkische Mutterblatt "Zaman" (Zeit/Zeitpunkt) am 27. Juli 2016 verboten worden ist, in Deutschland wollten die Redakteure eigentlich weitermachen. Doch sie schafften es nicht lange. Kommenden Mittwoch, den 30. November, erscheint die letzte Ausgabe der deutschen "Zaman".

30 Jahre lang war "Zaman" eine der auflagenstärksten türkischen Tageszeitungen in Deutschland. Doch in den vergangenen Monaten, seit dem Putsch in der Türkei, brach die Auflage von 30.000 auf 8000 Exemplare ein. Das Blatt steht der Bewegung des Predigers Fetullah Gülen nahe. Ihn macht die Türkei für den gescheiterten Putsch im Juli verantwortlich.

Anzeigenkunden seien bedroht worden

Herausgegeben wurde die deutsche Ausgabe von der World Media Group mit Sitz in Offenbach (Hessen). Auf die in Deutschland produzierte und veröffentliche Zeitung hatte die türkische Regierung keinen direkten Zugriff.

Doch laut Zaman-Mitarbeitern wurden Anzeigenkunden "einzeln angerufen oder persönlich aufgesucht, bedroht und eingeschüchtert". Der Widerstand gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan, so berichten sie, "kostete uns den Verlust der Hälfte unserer Leser und den Verlust von 60 Prozent Werbung" .

Zunächst versuchte es Zaman mit Einsparungen, um die Herausgabe der Zeitung in Deutschland aufrechtzuerhalten. Doch der Druck war zu stark, man fürchtete zudem um das Wohl der Abonnenten und Anzeigenkunden. Unklar ist, ob zaman-online.de bestehen bleibt. Der wöchentliche Österreich-Ableger von Zaman erscheint nach STANDARD-Infos seit Oktober nicht mehr. (bau, 28.11.2016)

  • Süleyman Bag schrieb für die deutsche Ausgabe von "Zaman".
    foto: afp / john macdougall

    Süleyman Bag schrieb für die deutsche Ausgabe von "Zaman".

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