Werben um die späten Entscheider

29. November 2016, 06:00
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In der letzten Wahlkampfwoche mobilisieren die Kandidaten noch einmal Unterstützer – und werben um "Late Deciders"

Wien – Norbert Hofer ist noch auf Tour – nach seinem Duell mit Alexander Van der Bellen auf ATV (im Schnitt waren 284.000 Seher dabei) absolvierte er am Montag einen Auftritt bei Radio Oberösterreich. Auf Facebook brachte er die Botschaft unter die Leute, dass er "sehr gute Beziehungen in die USA und auch zu Russland" habe und Wien zu einem "Boden für Versöhnungsgespräche" machen wolle.

Gleichzeitig sucht er neue Unterstützer – und zwar dort, wo er zuletzt ohnehin schon stark war. Via Brief wirbt er um die Gunst der Bürgermeister. In dem Schreiben, das letzte Woche an jene 1764 Ortschefs verschickt wurde, in deren Gemeinden Hofer im Mai eine Mehrheit hatte, dankt der Kandidat für deren "Einsatz und Organisation" der Wahlen. Gleichzeitig warnt Hofer vor der Wahl Alexander Van der Bellens: Dieser könne – wegen der grünen Unterstützung für das "Durchgriffsrecht" des Bundes zur Schaffung von Unterkünften für Flüchtlinge – kein vertrauenswürdiger Partner sein.

"Ein Stück des Weges" – wie bei Kreisky

Die Menschen in den Gemeinden seien "ein extrem verlässlicher 'Seismograf' für die politischen Fehlentwicklungen in Österreich und die daraus erwachsende Suche nach Antworten bei den Politikern", heißt es in dem Brief: "In diesem Sinn hat die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger in Ihrer Gemeinde meinen Kurs bei der letzten Stichwahl unterstützt und mir das Vertrauen geschenkt. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn Sie im Interesse Ihrer Gemeinde ein Stück des Weges mit mir gehen und mir bei der Umsetzung meiner Vorhaben gerade im kommunalen Bereich unter die Arme greifen."

Hintergrund von Hofers Brief ist die breite Unterstützung, die Van der Bellen sowohl durch rote als auch durch schwarze Bürgermeister erfährt.

Wetten auf Hofers Sieg

Stimmungsmäßig ist Hofer im Aufwind: Der Wettenanbieter Bet-at-home, bei dem zunächst auf einen neuerlichen Sieg Van der Bellens gesetzt wurde, verbucht seit der Wahl von Donald Trump vermehrt Wetten auf einen Sieg Hofers – die Quote wurde von 2,02 auf 1,5 korrigiert. Passend dazu: Hofers Abschlusskundgebung ist für den Freitagvormittag in der Börse angesetzt.

Fendrich und Conchita Wurst

Auch im Van-der-Bellen-Camp ist die Stimmung gut. Alexander Van der Bellen legt in der letzten Wahlkampfwoche beim Patriotismus nach: Am Montag hat sein Team ein Video online gestellt, das mit Rainhard Fendrichs Lied I am from Austria unterlegt ist. "Wählen Sie ein helles, zuversichtliches Österreich, in dem wir das Gemeinsame über das Trennende stellen und das Gute sehen", heißt es in dem Video.

Für die Verwendung des Songs gibt es die Zustimmung des Urhebers – während die FPÖ die Textzeile "Do kum i her, do g'hear i hin!" im Vorjahr unerlaubt für ein Wahlplakat genutzt hat. Fendrich hat sich auch schon klar für Van der Bellen deklariert. Auch Conchita Wurst wirbt in einem Online-Video für Van der Bellen.

Am Donnerstag (1. Dezember) gibt es dann das finale Kandidatenduell im ORF, Van der Bellens Schlusskundgebung ist am Freitag in der Lloonbase 36. (red, APA, 29.11.2016)

  • Lächeln, lächeln, lächeln – wo immer sich eine Kamera zeigt: Die Kandidaten zeigen in der letzten Wahlkampfwoche die Zähne, manchmal auf freundliche Art.
    foto: apa/hochmuth

    Lächeln, lächeln, lächeln – wo immer sich eine Kamera zeigt: Die Kandidaten zeigen in der letzten Wahlkampfwoche die Zähne, manchmal auf freundliche Art.

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