Strengere Regeln für den Strommarkt

28. November 2016, 18:03
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Versorgungssicherheit und Effizienz in EU primäres Ziel

Wien – Ein gemeinsamer Strombinnenmarkt in der EU ist das Ziel, einheitliche Regeln etwa für den Kraftwerkseinsatz und den grenzüberschreitenden Handel mit Strom sind Bausteine auf dem Weg dorthin. Einige davon werden gerade gesetzt.

"Was sich technisch anhört, bringt mittelbar große Vorteile für die Konsumenten," sagte E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch am Montag in einer Pressekonferenz mit dem Generalsekretär der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-e), Konstantin Staschus. Je größer der Markt, desto wirtschaftlicher und sicherer die Stromversorgung. Das ist, auf den Punkt gebracht, die Auswirkung der Netzkodizes Strom, wenn sie implementiert sind.

Die Netzkodizes, an denen EU-Kommission, europäischer Verband der Regulatoren (Acer), nationale Kontrollore und Entso-e arbeiten, sind verbindlich. Ein Nichtbefolgen hätte Konsequenzen für das betroffene Land.

Flexiblere Kraftwerke

Mit der Energiewende, dem Umstieg von großteils öl-, gas- und kohlebefeuerten Kraftwerken auf wind- und sonnengenerierte Stromproduktion sei zusätzliche Komplexität in das ohnehin nicht einfache Stromsystem gekommen. Konventionelle Kraftwerke müssten ungleich flexibler reagieren, als dies in der Vergangenheit der Fall war, sagte Staschus. Das hänge mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien zusammen. Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, müsse der Ausfall durch konventionelle Kraftwerke kompensiert werden.

Umgekehrt müsse man Windräder abstellen, wenn Teile der Industrie am Wochenende als Abnehmer ausfallen und zu viel Strom das Netz überlastet. Weil das aber schwer argumentierbar sei, müsse es gelingen, den Strom zu speichern oder dorthin zu leiten, wo es Interessenten für billige Energie gibt. Genau dafür brauche es klare, verbindliche Regeln.

Kontraproduktiv

Einem Zusammenwachsen der Strommärkte hinderlich sei die Acer-Entscheidung aus der Vorwoche, einen künstlichen Stromengpass zwischen Deutschland und Österreich zu unterstützen, sagte Urbantschitsch. Er bekräftigte das Vorhaben, die Entscheidung beim Beschwerdeausschuss der europäischen Regulierungsbehörde anzufechten. Bis Mitte Jänner ist dafür noch Zeit.

Staschus verwies auf eine Studie, die Entso-e bis Ende 2017 vorlegen will. Dabei geht es um eine Kosten-Nutzen-Analyse der bestehenden Preiszonen und eine Abschätzung, ob eine andere Konfiguration besser wäre. Diese Studie sollte man jedenfalls abwarten, bevor Fakten gesetzt werden, meinte Staschus.

Bei einer Auftrennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland würde sich Strom in Österreich um zehn bis 15 Prozent verteuern. (stro, 29.11.2016)

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