Gezerre um Trumps Außenminister-Job

28. November 2016, 17:47
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Seit Tagen hält sich das Gerücht, dass ausgerechnet Mitt Romney, einer der schärfsten parteiinternen Kritiker Donald Trumps, dessen Außenminister werden könnte. Manche in seinem Team machen jetzt offen Stimmung dagegen

Es hat Seltenheitswert, dass eine Spitzenberaterin in aller Öffentlichkeit Stimmung macht gegen einen Kandidaten, den ihr Chef für einen Schlüsselposten in seinem Kabinett in die engere Wahl zieht. Kellyanne Conway tut genau das: Mit verbalen Nadelstichen in den Frühstücksshows der US-Sender warnt Donald Trumps Sprecherin davor, Mitt Romney zum Außenminister zu machen, einen Vertreter jenes Establishments, das verzweifelt versucht hatte, Trump den Weg zur Kandidatur seiner Partei zu versperren.

Nicht nur, dass der Ex-Gouverneur, der 2012 die Wahl gegen Barack Obama verlor, Trump als "Mogelpackung" charakterisiert hatte; Romneys außenpolitische Vorstellungen unterscheiden sich markant von denen des Populisten. Während Trump isolationistische Tendenzen erkennen lässt, kommt für Romney ein Rückzug Amerikas aus dem Weltgeschehen nicht infrage. Während Trump kein Hehl aus seiner Bewunderung für Wladimir Putin macht, hat Romney Russland dezidiert als wichtigsten geopolitischen Gegner der USA charakterisiert. Auf den ersten Blick könnte der Graben zwischen den beiden also kaum tiefer sein.

Kein Wunder, dass Trump die Fantasien beflügelt, seit er den Geschäftsmann aus Boston als möglichen Außenminister ins Gespräch brachte. So kleinlich, rachsüchtig und nachtragend seine Twitter-Zeilen oft wirken, ein solcher Schritt würde ihn plötzlich souverän aussehen lassen. Auf einmal wäre sein Kabinett ein "Team der Rivalen" – nachempfunden dem Obamas, der 2008 seine Kontrahentin Hillary Clinton holte.

Conway geht das zu weit. Sie sei zwar sehr dafür, die Partei zu einen, sagt sie, "aber ich bin mir nicht sicher, ob wir dafür mit dem Posten des Außenministers bezahlen müssen". Eine "atemberaubende" Anzahl von Leuten würde sich hintergangen fühlen, sollte Romney mit einem derart prominenten Amt belohnt werden.

Wie in der Trump-TV-Show

Ein weiterer Trump-Vertrauter, Newt Gingrich, der ehemalige Speaker des Repräsentantenhauses, spricht von einem Prozedere, das an Trumps TV-Show The Apprentice denken lasse. So wie damals lasse Trump öffentlich über die Vorzüge und Nachteile gewisser Personen debattieren – darauf bedacht, das Publikum mitreden zu lassen, versucht Gingrich dem Gezerre um Romney eine attraktive Note zu geben.

Wie auch immer: Nach wie vor im Rennen ist Rudy Giuliani, der frühere Bürgermeister New Yorks, für den vor allem Gingrich die Trommel rührt. Nach wie vor eine Option ist auch John Bolton, der UN-Botschafter George W. Bushs, der mit abfälligen Bemerkungen über die Vereinten Nationen für Furore gesorgt hatte. Außenseiterchancen rechnet sich Bob Corker aus, Senator aus Tennessee, der den Auswärtigen Ausschuss des Senats leitet. Ziemlich neu im Gespräch ist David Petraeus, der Ex-General, der 2012 seinen Posten als CIA-Direktor räumen musste, nachdem er über eine Affäre mit einer Geliebten gestolpert war. (Frank Herrmann aus Washington, 28.11.2016)

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