Nach US-Wahl: Wahlbetrug beiderseits unwahrscheinlich

28. November 2016, 17:43
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Trotz Vorwürfen gegen beide Seiten gilt es als fast ausgeschlossen, dass sich am Wahlausgang noch etwas ändert

Frage: Stimmen in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan sollen neu ausgezählt werden. Wieso?

Antwort: Statistiker der Uni Michigan machten nach der Wahl eine Entdeckung: Im Bundesstaat Wisconsin erhielt Hillary Clinton in Wahlkreisen, in denen die Wahl via Computer statt via Wahlzettel ausgerichtet wurde, rund sieben Prozentpunkte weniger als anderswo. Unter den Forschern ist auch der renommierte Wahlrechtsexperte Alex Halderman, der schon vor der Wahl Hacking-Möglichkeiten für Wahlmaschinen in Wisconsin, aber auch in Pennsylvania sah.

Frage: Würde das etwas am Ausgang der Wahl ändern?

Antwort: Würde Clinton alle drei Staaten noch gewinnen, hätte sie Trump im Electoral College überholt. Dann wäre sie Präsidentin.

Frage: Wie stehen die Chancen?

Antwort: Die sind äußerst gering. Zunächst wegen der Abstände: In Pennsylvania, mit 20 Wahlmännerstimmen der größte der drei Bundesstaaten, trennen Clinton über 70.000 Stimmen vom Sieg. Auch Statistiker melden Zweifel an. Wahlcomputer in Wisconsin stehen mehrheitlich in Gegenden, die vom demografischen Profil her Trump stärker zugeneigt sind: Sie sind "weißer" als andere Orte und formell geringer gebildet. Ähnlich ist es in Pennsylvania. In Michigan wird überhaupt nur auf Papier gewählt.

Frage: Antragstellerin ist die Grünen-Kandidatin Jill Stein. Wieso?

Antwort: Stein sagt, es gehe ihr darum, das Vertrauen in das US-Wahlsystem zu erhalten und zugleich das Monopol der beiden Großparteien auf die Sicherstellung der Wahlintegrität zu durchbrechen. Tatsächlich bringt es ihrer Partei Renommee. Stein sammelte für die Wahlanfechtung zudem Spenden. Trump warf ihr vor, diese Gelder für völlig andere Zwecke einsetzen zu wollen.

Frage: Was sagt Clinton dazu?

Antwort: Die Demokraten waren zu den Vorwürfen bisher ziemlich ruhig und wollen nun diskret logistisch helfen – das liegt nicht nur am Bemühen, nun nicht als schlechte Verlierer dazustehen, sondern auch an den Bitten des Weißen Hauses, in der Sache wenig Staub aufzuwirbeln. Präsident Barack Obama will durch eine gute Amtsübergabe Einfluss auf den politisch unerfahrenen designierten Präsidenten nehmen.

Frage: Auch Trump erhebt Vorwürfe des Wahlbetrugs. Was ist die Basis dafür?

Antwort: Donald Trump sprach via Twitter-Retourkutsche von Wahlbetrug in Virginia, New Hampshire und Kalifornien, wo Clinton voranlag – ohne Beweise zu nennen. Offenbar bezieht er sich auf einen Bericht des rechten Verschwörungsbloggers Alex Jones. Dieser wiederum nennt einen einzelnen Tweet eines angeblich republikanischen Analysten als Quelle, der belegen will, dass in den Staaten drei Millionen illegal in den USA befindliche Menschen gewählt haben sollen. Ähnliche Vorwürfe wurden in der Vergangenheit überprüft. Dabei hat man zwar "illegale" Wähler gefunden – aber nur wenige hundert.

Frage: Wollte Trump sich nach der Wahl nicht zurücknehmen?

Antwort: Über die Gründe seiner Twitter-Ausritte debattieren auch US-Medien. Gängige These neben der eigenen Unbeherrschtheit: Trump will mit kalkulierten Twitter-Skandalen von eigenen Problemen ablenken – aktuell etwa dem Chaos in seinem Übergangsteam oder Unvereinbarkeiten zwischen Amt und Firmenbesitz. (Manuel Escher, 28.11.2016)

  • Donald Trump erhob via Twitter schwere Wahlbetrugsvorwürfe.
    foto: ap photo/ evan vucci

    Donald Trump erhob via Twitter schwere Wahlbetrugsvorwürfe.

  • Antragstellerin für eine Neuauszählung ist die Grünen-Kandidatin Jill Stein. Sie will damit das Vertrauen in das US-Wahlsystem erhalten.
    foto: apa/afp/getty images/win mcnamee

    Antragstellerin für eine Neuauszählung ist die Grünen-Kandidatin Jill Stein. Sie will damit das Vertrauen in das US-Wahlsystem erhalten.

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