Zu wenig Köche gefährden Tourismusaufschwung

28. November 2016, 17:34
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Aufnahme in Mangelberufe gefordert – Ost-West-Gefälle – Nächtigungsplus erwartet

Wien – Der Österreich-Tourismus droht ein Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Weil mehr und mehr Gäste nach Österreich reisen und bei den Nächtigungen ein Rekord nach dem anderen purzelt, ist auch in den Hotelküchen und Restaurants mehr los. Allein Köche und Küchengehilfen sind zunehmend schwerer zu finden.

"Wenn wir das Problem nicht lösen, wird das letztlich auch der Gast spüren – in Form reduzierter Öffnungszeiten und eingeschränkter Speisekarten. Das aber kann es wohl nicht sein," sagte die oberste Touristikerin in der Wirtschaftskammer, Petra Nocker-Schwarzenbacher, am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Keine Köche aus EU-Drittstaaten

Sie fordert einen bundesländerspezifischen Blick auf die Problematik. Länder wie Salzburg oder Tirol würden bei Köchen das Kriterium des Mangelberufs (eineinhalb oder weniger Bewerber für eine freie Stelle) spielend erfüllen. Bei einer österreichweiten Betrachtung, wie derzeit Usus, gelingt der Sprung auf die Mangelberufsliste ganz knapp nicht. Und so ist es auch nicht möglich, Köche aus EU-Drittstaaten wie Serbien oder Bosnien zu rekrutieren. Das aber, sagen Touristiker, könnte die Situation etwas lindern.

Tatsache ist, dass im Westen Österreichs deutlich weniger arbeitslose Köche auf eine offene Stelle kommen als beispielsweise in Wien. 2015 lag die Verhältniszahl laut Arbeitsmarktservice in Salzburg bei 0,8, in Tirol bei 0,7. Es sei aber ungeheuer schwer, Köche aus Wien nach Salzburg oder Tirol zu bringen, wenn sie dem jugendlichen Alter entwachsen sind und eine Familie gegründet haben, sagte Schwarzenbacher.

Zuzug aus Deutschland

Österreichweit wurden mit Stichtag 25. November 14.367 Köche gesucht, geht aus Zahlen der überregionalen Vermittlungsplattform Eures hervor. Europaweit waren es mehr als 433.000.

Der Mangel an Köchen in Österreich sei bisher durch den Zuzug von Köchen aus Deutschland übertüncht worden. Wegen der verbesserten Jobsituation in ihrer Heimat seien viele Deutsche inzwischen wieder zurückgekehrt.

Das Plus von 5,1 Prozent bei den Nächtigungen im Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) hat Schwarzenbacher mit Freude, aber auch "mit Demut" registriert. Politische Krisen, etwa in der Türkei, hätten ohne Zweifel dem Österreich-Tourismus geholfen. Im heurigen Winter wäre ein Nächtigungsplus von ein bis zwei Prozent "ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis", zumal die Feiertage schlechter fallen als im Vorjahr. (stro, 29.11.2016)

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