Cyberspionage: BND für Merkel "von hoher Bedeutung"

28. November 2016, 16:59
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Merkel plädiert für engere Zusammenarbeit deutscher mit anderen Geheimdiensten

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat trotz der jüngsten Affären die Bedeutung des Auslandsgeheimdienstes BND für die Sicherheit Deutschlands betont. "Mir ist bewusst, dass die Befassung mit Nachrichtendiensten gerade in Deutschland besonders schwierig ist. Dafür gibt es aktuelle Anlässe, wie auch historische Gründe", sagte Merkel am Montag in Berlin.

Merkel äußerte sich bei einem Festakt anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die deutsche Regierungschefin verwies im historischen Kontext auf die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im Nationalsozialismus und die Stasi in der DDR. Die Antwort darauf seien die in der Verfassung festgeschriebenen Grundrechte. "In diesem Rahmen können die Nachrichtendienste heute ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Sicherheitsarchitektur sein, mehr noch: Sie können es nicht nur, sondern sie müssen es auch."

Der BND steht seit Jahren wegen seiner Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) und wegen eigener Spionageaktionen offenbar auch gegen befreundete Staaten im Kreuzfeuer der Kritik. Die deutsche Regierung will die Kontrolle und die Arbeit des BND mit einem neuen Gesetz auf eine solidere rechtliche Grundlage stellen.

Cyberspionage wichtig

Merkel ging auf Herausforderungen wie etwa die Konflikte im Irak, in Syrien und in der Ukraine sowie die Flüchtlingssituation und die Cyber-Spionage ein. Es gelte hierbei, langfristige Strategien zu entwickeln. "Und hier ist die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes von hoher Bedeutung." Merkel sprach sich für eine Vertiefung der Zusammenarbeit des BND mit ausländischen Partnern aus und drang auch auf einen Ausbau der Kooperation der deutschen Geheimdienste untereinander und eine Stärkung der Fähigkeiten des BND.

Merkel mahnte zugleich bei der Arbeit der Geheimdienste nicht nur zur Einhaltung von Recht und Gesetz, sondern auch zu "Augenmaß". Sie hob die Bedeutung der Kontrolle der Dienste hervor, etwa in Untersuchungsausschüssen.

"Stolz auf seine Arbeit sein"

"Der Bundesnachrichtendienst kann stolz auf seine Arbeit sein und muss zugleich weiter empfänglich sein für eine ebenso kritische wie faire Begleitung seiner Tätigkeit." Es müsse eine angemessene Balance zwischen dem unbestrittenen Informationsrecht der Öffentlichkeit und der Geheimhaltung sensibler Informationen gefunden werden.

Der BND war am 1. April 1956 als Nachfolger der "Organisation Gehlen" gegründet worden. Seine Aufgabe ist es, aus dem Ausland Informationen über politische und wirtschaftliche Entwicklungen, militärische Fragen oder Bedrohungen für die Sicherheit Deutschlands zu beschaffen.

Der Nachrichtendienst ist dem deutschen Bundeskanzleramt unterstellt und hat rund 6.500 Beschäftigte. Sie sind im Wesentlichen auf die Hauptstandorte Pullach bei München und Berlin verteilt. (APA, 28.11.2016)

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