Zubin Mehta: "Ich leite hier einen Rolls-Royce ..."

29. November 2016, 10:00
7 Postings

Der Dirigent leitet die sonntägige Premiere von Verdis "Falstaff" an der Wiener Staatsoper. Ein Gespräch über seltsame Regieideen, flexible Philharmoniker und ein Opern schreibendes Wunderkind

Wien – Blickt ein Dirigent auch auf reichlich seltsame Opernerfahrung zurück – Zubin Mehta ist am 29. April 80 Jahre alt geworden und war lange Zeit auch Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper –, will er sich einmal auch etwas wünschen dürfen. Etwa eine bestimme Epoche, für Verdis "Falstaff" etwa, den Mehta ab Sonntag an der Wiener Staatsoper durch alle Höhen und Tiefen eines Schlawinerlebens begleiten wird. "Ich saß vor zwei Jahren mit Dominique Meyer zusammen und sagte: 'Bitte, das wird womöglich meine letzte Neuinszenierung des "Falstaff". Machen wir es doch wenigstens einmal im 15. und 16. Jahrhundert!'"

Mayer habe zugestimmt, und schließlich "war auch Regisseur David McVicar einverstanden. Man wird also auch ein bisschen Oliver Cromwells Zeit sehen", ergänzt Mehta, der keinesfalls Allergien gegen mutige Operndeutungen verspürt. "Eine gute Inszenierung soll mit modernen Mitteln die Message des Komponisten transportieren. Ich habe mit der Gruppe La Fura dels Baus in Spanien Wagner umgesetzt. Sie haben nichts weggelassen, waren werktreu – aber mit modernen Mitteln."

Grundsätzlich sei es für ihn – wie für alle Männer und Frauen im Orchestergraben – so, dass die Regiewahrheit sehr spät zum Vorschein käme, bisweilen erst bei der Premiere: "Da gab es einen "Siegfried" in München, bei dem das Publikum mitten im Akt zu buhen begann!" Mehta sah also nach oben auf die Bühne und sah, wie Held Siegfried das Auditorium mit der Kunst des Wasserlassens beglückte ... "Das gab es nicht einmal in der Generalprobe zu sehen!", staunt Mehta noch immer.

Ein bisschen Bollywood

Selbst bei einem Mailänder "Lohengrin" mit den hochgeschätzten Fura dels Baus – habe es Überraschungen gegeben, erinnert sich der 1936 in Bombay Geborene, der vor allem in Israel und Italien lebt. "Sie wollten etwas mit Farben machen, also empfahl ich ihnen, nach Rajasthan zu fahren, was sie auch taten. Sie kamen mit 200 Saris zurück, die sie im zweiten Akt einsetzten. Plötzlich war der ganze Akt indisch, was an sich sehr schön aussah. Die Männer allerdings schienen aus einem Bollywood-Film zu kommen!" Das war – jedenfalls für Mehta – "schrecklich." Also: Was immer mit der Regie besprochen wird, "was am Schluss auf die Bühne kommt, ist immer eine Überraschung ..."

Der Wiener "Falstaff" wird voraussichtlich aber frei sein von unliebsamen Wendungen, wobei es nicht nur humoristisch zugehen wird: "Der Falstaff ist ja ein armer Kerl – bei uns wird es tragikomisch angelegt sein", so Mehta, der die Geschichte auch mit alten Bekannten, den Philharmonikern, erzählt. "Es sind zwar bei Proben teilweise wechselnde Orchesterbesetzungen am Werk, aber das ist kein Problem. Das Staatsopernorchester ist so flexibel, kennt das Werk. Ich leite hier einen Rolls-Royce!"

So einiges in Wien zu tun

Mehta trifft selbigen auch in Gestalt der Hofmusikkapelle (11.12., in der Hofburgkapelle, um 11.15 Uhr) und dirigiert dabei Mozart und Haydn. "Seit zehn Jahren fragen sie mich, ob ich die Hofmusikkapelle dirigieren möchte, jetzt hat es geklappt", so Mehta, der in Wien so einiges zu tun hat.

Unlängst wurde in seiner Anwesenheit ein Zubin-Mehta-Saal im Anatomiegebäude der Universität für Musik und darstellende Kunst eingeweiht – in jener Institution also, an der er einst bei Hans Swarowsky studierte. Zudem wird Mehta ein Konzert des Webern Symphonie Orchesters leiten (8.12.). Und: Er hat die Patronanz für eine besondere Wiener Opernproduktion übernommen: Es geht dabei um die sehr junge Komponistin Alma Deutscher (Jahrgang 2005), deren Oper "Cinderella" (ab 29.12.) im Casino Baumgarten gezeigt wird.

"Sie hat mir vor drei Jahren ein Mozart-Klavierkonzert vorgespielt, wobei ihr die Kadenz von Mozart zu leicht schien, also hat sie eine geschrieben. Neulich kam sie und spielte eine Violinsonate von Bach. Perfekte Intonation. Und jetzt komponiert sie auch noch! Sie ist ein Genie!" (Ljubiša Tošić, 29.11.2016)

Vorstellungen am 4., 7., 9. und 15.12.

Wiener Staatsoper

  • Zubin Mehta hat im Dezember in Wien einiges zu tun: Er dirigiert an der Wiener Staatsoper, leitet die Wiener Hofmusikapelle und trifft auch das Webern Symphonie Orchester der Wiener Hochschule.
    foto: apa

    Zubin Mehta hat im Dezember in Wien einiges zu tun: Er dirigiert an der Wiener Staatsoper, leitet die Wiener Hofmusikapelle und trifft auch das Webern Symphonie Orchester der Wiener Hochschule.

Share if you care.