Präauer und Meinecke: Gemischtes Doppel in Salzburg

29. November 2016, 09:00
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Mit "Oh Schimmi" und "Selbst". Danach: Musik

Gemischtes Doppel in der Arge: Zum einen präsentiert die in Wien lebende Teresa Präauer ihren dritten Roman Oh Schimmi (Wallstein). Der Protagonist und Ich-Erzähler Schimmi ist ein verwöhntes, sexsüchtiges Muttersöhnchen. Derart getrieben von seinen Trieben, streift das junge Bürschchen durch die Bars und Nagelstudios der Großstadt, um zu landen.

Präauer spielt mit der Sprache, wenn sie diverse Jugendslangs und Anglizismen in den Text einbaut, aber auch Neuschöpfungen, da ihr Held den Tick hat, in möglichst vielen Worten den Buchstaben "i" zu verwenden: Siffilisation oder Kirrelation sind etwa das Resultat.

Selfie-Selbst

Den zweiten Teil des Abends bestreitet Thomas Meinecke. Den kennt man schon seit 1980 als Musiker der Formation F.S.K., aber auch als DJ und Radiomoderator. Zudem schreibt er Romane über Identitätskonzepte der Postmoderne. In Selbst (Suhrkamp) leben Eva, eine Moderedakteurin und Kunsthistorikerin, die autodidaktische Sexualwissenschafterin Genoveva und Venus, ein androgynes Model und Kulturwissenschafterin, in einer Frankfurter WG. Beziehungsreiche Textschnipsel, in denen es um Waxing im Intimbereich, Selfie-Kultur, Autogynophilie oder Kolonien deutscher Vormärz-Auswanderer in Texas – insbesondere um die Geschichte der nach Bettina von Arnim benannten libertären Kommune am Llano River – geht. Mühelos bringt Meinecke die deutsche Romantikerin mit Popsamples und Travestie zusammen, zu Wort kommen etwa Literaturwissenschafterin Barbara Vinken oder Popstar Beyoncé.

Meinecke-Musik

Im Anschluss an die Lesungen diskutieren die beiden Autoren mit Christa Gürtler und Didi Neidhart über "GeschlechterSpielRäume und Pop", später verlegen Meinecke und Neidart Platte. (dog, 29.11.2016)

30. 11., 19.30, Arge Kultur, Salzburg. 0662/ 84 87 84 oder 0662/ 42 24 11

www.literaturhaus-salzburg.at

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