Puccini im L.E.O.: Dreiklang der Gefühle

28. November 2016, 14:50
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Das Triptychon "Il tabarro", "Suor Angelica" und "Gianni Schicchi" ist in einer unverwechselbaren Weise zu erleben

Wien – Die Hinwendung der großen Häuser zu den Auslastungsgaranten La Bohème, Tosca und Madama Butterfly findet ihre Kehrseite in der Vernachlässigung eines kleiner dimensionierten Dreigestirns in Puccinis Opernschaffen, der 1918 an der New Yorker Met uraufgeführten Einakter Il tabarro, Suor Angelica und Gianni Schicchi.

Unbedingte Hingabe

Die Direktion des Letzten Erfreulichen Operntheaters in der Ungargasse erkannte diesen Missstand und bietet der Puccini-Freundin und dem Puccini-Freund nun eine ganz eigene Darstellung des "trittico" an. Wie immer verschmolzen in dieser Parodie, partielle Professionalität und die unbedingte Hingabe an die Glücksgöttin Oper zu einem harmonischen Dreiklang der Werkinterpretation.

Und wie immer bildete die wundervoll differenziert korrepetierende Orchesterersatzkraft am Klavier, Kaori Asahara, die Grundlage für allen Zauber.

Eine Wäscheleine (auf Micheles Schleppkahn) stellte bei Il tabarro das tragende Element des Bühnenbilds dar, innerhalb dessen Annette Fischer (als Giorgetta) ihre Qualitäten als Heroine ausstellen konnte.

Stefan Fleischhacker suchte als Luigi mit kraftvollen Spitzentönen Fischers Herz zu gewinnen. Am schönsten sang Rumen Dobrev als Michele, sowohl samtweich als auch mächtig; es nützte dem Gehörnten letztendlich nichts.

Frauenpower

Suor Angelica fesselte durch den Einsatz modernster Bühnentechnik und bot Frauenpower: Elisabeth Wolfbauer überzeugte als eisenharte Fürstin, Elena Schreiber wagte die Interpretation der Titelpartie. (Warnung: Die Stimmen der L.E.O.-Solistinnen verfügen speziell in den exponierten Lagen nicht durchgehend über ein erfreuliches Maß an Glanz und Wohlklang.)

Wer gehofft hatte, dass die bezaubernde Kerstin Grotrian als Lauretta in Gianni Schicchi "O mio babbino caro" singen würde, hoffte nicht vergebens. Die göttliche Komödie um eine Erbschleicherei wurde zum opulenten, freudvoll beklatschten Kostümfest. (Stefan Ender, 28.11.2016)

Am 7., 11. und 15. 12., jeweils 19.00, Letztes Erfreuliches Operntheater (L.E.O.), Ungargasse 18

www.theaterleo.at

  • "O mio babbino caro": Im L.E.O. wird ein opulentes, freudvolles Fest für Puccini gegeben.
    foto: christa fuchs

    "O mio babbino caro": Im L.E.O. wird ein opulentes, freudvolles Fest für Puccini gegeben.

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