Spanien will Auslieferung von Oligarch Firtasch

28. November 2016, 14:21
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Wegen Geldwäschevorwürfen – Ukrainischer Oligarch ist seit 2014 im Exil in Österreich – Auslieferung an die USA war vom Landesgericht Wien abgelehnt worden

Barcelona/Marbella/Wien – Dmytro Firtasch ist laut Medienberichten von Spanien auf die Fahndungsliste gesetzt worden. Dem 51-Jährigen werde Geldwäsche im zweistelligen Millionenbereich vorgeworfen, berichtete die "Kronenzeitung" am Montag. "Die Berichte in Spanien über Herrn Firtasch sind uns bekannt. Er weist die Anschuldigungen kategorisch als unrichtig zurück", sagte Firtasch-Anwalt Dieter Böhmdorfer der Zeitung.

Von der Staatsanwaltschaft Wien war vorerst keine Stellungnahme zu erhalten. Laut der spanischen Tageszeitung "El Pais" (Internetausgabe) wird Firtasch und zwei weiteren Personen vorgeworfen, als "Anführer einer kriminellen Vereinigung" rund zehn Millionen Euro von auf Zypern und den Virgin Islands beheimateten Organisationen über Restaurants und Immobilienfirmen "reingewaschen" zu haben.

Die von der spanischen Staatsanwaltschaft eingesetzte Sonderstelle für Korruptionsbekämpfung habe Firtasch auf die internationale Fahndungsliste gesetzt, zitierte die "Deutsche Welle" einen spanischen Behördenvertreter. Außerdem seien zwei weitere ukrainische Staatsbürger, deren Namen nicht genannt wurden, angeklagt. Vergangenen Donnerstag seien in Barcelona und Marbella fünf Personen, darunter ein bekannter Rechtsanwalt, vorübergehend festgenommen worden. "Sie waren direkt involviert in das Waschen von Geldern, die dem ukrainischen Oligarchen gehören", schrieb die "Deutsche Welle".

Der Staatsanwaltschaft zufolge hätten diese Personen mehrere Offshore-Firmen für Firtasch in Panama registriert, ein Teil der Gelder sei jedoch in den spanischen Immobilienmarkt investiert worden. Dem Behördenvertreter zufolge soll es sich um Dutzende Millionen Euro gehandelt haben, eine genaue Summe wollte er allerdings nicht nennen.

Firtasch sei seit Juli 2016 unter Beobachtung der Staatsanwaltschaft in Variola, so der Sprecher. Damals sei ein Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Kiew, Leonid Tschernowezkyj, Stepan Tschernowezkyj, in Spanien gemeinsam mit elf anderen Personen der Geldwäsche verdächtigt worden. Stepan Tschernowezkyj sei im Sommer freigekommen, gegen ihn werde aber immer noch ermittelt.

"Die Dokumente, die wir während der Ermittlungen gegen Tschernowezkyj gefunden wurden, haben den Ermittlern geholfen auf Dmytro Firtasch zu kommen", zitierte die "Deutsche Welle" den spanischen Staatsanwaltschaft. Dennoch zeigte sich der Beamte skeptisch, dass es je zu einer Auslieferung nach Spanien kommen werden.

Firtasch wird von den USA Korruption im Zusammenhang mit Geschäftsaktivitäten in Indien vorgeworfen. Nach einem US-Haftbefehl im März 2014 wurde der Österreich-affine Oligarch in Wien-Wieden verhaftet. Nach Bezahlung einer Rekordkaution von 125 Millionen Euro war Firtasch auf freien Fuß gesetzt worden und hatte sich seit damals in Österreich aufgehalten. Ende April 2015 wurde ein Auslieferungsbegehren der USA von der österreichischen Justiz als "politisch motiviert" abgelehnt. (APA, 28.11.2016)

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