OECD: Euro-Wirtschaft wächst trotz Pro-Brexit-Votums

28. November 2016, 13:49
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Während die Weltwirtschaft nur ein flaches Wachstum verzeichnet, bleibt die Konjunktur in der Eurozone stabil. Österreichs Wirtschaft wächst

Paris/Wien – Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Montag ihre Prognose zum Weltwirtschaftswachstum veröffentlicht. Das globale Wachstum beträgt laut dem Bericht im Jahr 2016 2,9 Prozent. Das sind 0,2 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Damit hat die Organisation ihre Prognose um 0,1 Prozent im Vergleich zu den im Juni veröffentlichen Zahlen nach unten korrigiert. Gemessen wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Für die Eurozone rechnet die OECD mit einem stabilen Wachstum. Das BIP soll in diesem Jahr – bereinigt um Kalendereffekte – um 1,7 Prozent wachsen, 2017 um 1,6 Prozent und 2018 wieder um 1,7 Prozent. "Die hohe Arbeitslosigkeit und das moderate Lohnwachstum werden den privaten Verbrauch voraussichtlich bremsen, während die Exporte durch den flauen Welthandel und das nach dem Brexit-Referendum schwächere Wachstum im Vereinigten Königreich gehemmt werden", erklärte die Organisation.

Österreichische Wirtschaft wächst stabil

Österreich verzeichnet laut der Prognose ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2017 wird mit einem weiteren Plus von 1,5 Prozent gerechnet.

Die Unterstützung für Banken hat zuletzt die Verschuldung Österreichs erhöht und die Alterung der Bevölkerung wird weitere Steuerausgaben erfordern. Dennoch eröffne das aktuell niedrige Zinsniveau Spielraum für die Steuerpolitik, der dafür genutzt werden sollte, um öffentliche Ausgaben für Kleinstkinder und den Ausbau der Breitbandinfrastruktur zu erhöhen, empfiehlt die OECD.

Damit würde sich Österreich besser auf die Zukunft vorbereiten, heißt es im österreichischen Länderbericht. 2016 sei das Wirtschaftswachstum dank Steuerreform, anziehenden Investitionen und der Schaffung neuer Jobs angesprungen.

Würde Österreich die Eintrittsbarrieren in den Einzelhandel und in freie Berufe senken, käme dies dem Arbeitsmarkt zu Gute, insbesondere Migranten. Das würde zu mehr Wettbewerb, Innovation und Wachstum führen. Auch eine weitere Konsolidierung der Banken würde deren Effizienz steigern, allerdings dürfe man dabei nicht den Wettbewerb behindern und zu große Institutionen ("too big to fail") schaffen.

Das stärkste Wachstum verzeichnete heuer erneut China, mit einem Plus von 6,7 Prozent. Die stärkste Rezession erlebte zum zweiten Mal in Folge Brasilien, das Bruttoinlandsprodukt des südamerikanischen Landes sank um 3,4 Prozent. Auch die USA und Großbritannien wachsen langsamer, die BIP-Steigerung verlangsamt sich 2016 auf 1,5 beziehungsweise zwei Prozent. Für die USA rechnet die OECD jedoch mit einem wirtschaftlichen Aufschwung ab 2017.

Trump hat im Wahlkampf unter anderem angekündigt, die Firmen- und Einkommensteuern zu senken sowie Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur zu stecken. Die OECD rechnet auf längere Sicht auch mit Nachteilen. So könnten Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung steigen, was wiederum höhere Steuern und niedrigere Ausgaben nach sich ziehen könnte. "Eine aggressivere geldpolitische Reaktion in den Vereinigten Staaten sowie eine damit einhergehende stärkere Aufwertung des US-Dollar würden die kurzfristigen Wachstumseffekte in den Vereinigten Staaten ebenfalls dämpfen", erklärte die OECD. So könnte die Notenbank (Fed) bei robuster Konjunktur, sinkender Arbeitslosigkeit und höheren Preisen gezwungen sein, ihren Leitzins schneller und stärker anzuheben als bislang erwartet. Dies wiederum könnte den Dollar-Kurs in die Höhe treiben und US-Produkte im Ausland teurer machen.

Laut dem Bericht ist die Weltwirtschaft auch dieses Jahr nur langsam gewachsen. Die OECD empfiehlt eine aktivere Fiskalpolitik, um das Wachstum wieder anzutreiben. Sowohl der Handel als auch Investitionen waren 2016 eher schwach, was auch den Konsum beeinflusst hat. Niedrige Zinsen würden hingegen neue Investmentoptionen schaffen.

In der Zukunft rechnet man wieder mit einem stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft: Für 2017 prognostiziert die Organisation eine 3,3-prozentige und für 2018 ein 3,6-prozentige Konjunktur. (Reuters, APA, lauf, 28.11.2016)

  • Die Eurozone verzeichnet erneut ein Wachstumsplus.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Die Eurozone verzeichnet erneut ein Wachstumsplus.

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