Airbnb: Viele Tourismusregionen sind uns wohlgesonnen

28. November 2016, 12:03
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Zimmervermittlungsplattform wächst in Österreich rasant und hofft, dass Wiener Gesetz über die Abführung von Steuern nicht zu streng wird

Wien/San Francisco (Kalifornien) – Der US-Konzern Airbnb ist in immer mehr Städten mit strengeren Regeln konfrontiert, die die private Zimmervermittlung erschweren oder gar unter Strafe stellen. Vielerorts machen Hotellobbys gegen Airbnb und andere Wohnungsvermittlungsplattformen mobil – auch in Österreich. Einige Tourismusregionen sind Airbnb hierzulande aber wohlgesonnen, sagt Airbnb-Manager Alexander Schwarz.

"Wir haben eine große Nachfrage aus den österreichischen Ferienregionen – auf der Gästeseite und von touristischen Verbänden", so Schwarz, Chef von Airbnb Deutschland, Österreich und der Schweiz. So will zum Beispiel der Tourismusverband Mayrhofen in Tirol die private Zimmervermietung über Airbnb forcieren. Der Tourismusverbandschef sei schon vor zwei Jahren auf Airbnb zugekommen, jetzt hat er eine Einladung für den großen Airbnb-Kongress in Los Angeles bekommen, der Mitte November stattfand.

"Privatvermieter können nicht mit"

Airbnb sei gerade für kleinere Zimmervermieter ein interessanter Vertriebskanal, so Schwarz. "Privatvermieter können mit den großen Hotels, die mit den großen Buchungsplattformen arbeiten, häufig nur schwer mithalten."

Aber auch größere Hotels bieten Zimmer via Airbnb feil. So vermietet das Grand Ferdinand am Wiener Ring Schlafsäle über Airbnb. Sogar die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, nutzt für die "Pension Stadthalle" in Wien, das Haus neben ihrem "Boutiquehotel Stadthalle", Airbnb. Reitterer hat sich in der Vergangenheit in der Öffentlichkeit kritisch über Online-Vermittler wie Airbnb geäußert.

Airbnb ist eine Internetplattform, über die Privatleute gegen eine Gebühr Wohnungen und Zimmer Reisenden anbieten können und macht damit angestammten Hotels große Konkurrenz. In einigen Städten ist das Geschäftsmodell des 2008 gegründeten Unternehmens sehr umstritten, da Airbnb zur Verteuerung des ohnehin schon knappen Wohnraums beitrage, so die Kritik. Außerdem sehen Kommunen Steuern durch die Lappen gehen.

Flucht nach vorne

Puncto Abgaben – etwa Ortstaxen – tritt Airbnb deshalb die Flucht nach vorne an. Vergangene Woche kündigte Konzernchef Brian Chesky an, mit 500 weiteren Städten Steuervereinbarungen zu schließen. 200 solcher Abkommen gibt es schon, etwa mit Paris oder Lissabon. Airbnb zieht für die Unterkunftsgeber Übernachtungssteuern von den Reisenden ein und gibt sie automatisiert an die Behörden weiter.

In Wien stand Airbnb wegen nicht entrichteter Ortstaxen ebenfalls in der Kritik; der Hotellobby ist es schließlich gelungen, eine Änderung des Tourismusförderungsgesetzes durchzubringen. Demnach sollen ab 2017 Plattformen wie Airbnb die Kontaktdaten der Anbieter sowie die Adressen der vermieteten Objekte an die Stadt weiterleiten. Die Stadt Wien will damit sicherstellen, dass die Ortstaxe entrichtet wird.

Nicht veröffentlicht

Das Gesetz ist allerdings noch nicht veröffentlicht. Es ist also noch nicht ganz klar, welche Pflichten den Plattformen genau auferlegt werden. Vorgesehen ist, dass Vereinbarungen mit den Plattformen geschlossen werden. "Wir haben der Stadt Wien im April ein Angebot zur Ortstaxe gemacht und warten seither auf Rückmeldung", so Schwarz. Die Gesprächsbasis sei eine sehr gute, daher sei er zuversichtlich.

Im Vorfeld hatte Airbnb aber schwerwiegende Datenschutzbedenken geäußert. Personenbezogene Daten herauszugeben, kommt für den Konzern nicht infrage, wie Schwarz erneut klarstellte. "Wir können uns nicht über europäisches und nationales Datenschutzrecht hinwegsetzen. Der Schutz der Daten unserer Community ist uns sehr wichtig." Schwarz fragt sich, "ob die Verhältnismäßigkeit stimmt", sprich, ob es nicht genügte, die Daten zum Zwecke der Statistik anonymisiert weiterzuleiten oder einfach, wie in anderen Städten, die Ortstaxe automatisiert für die Kommune einzuheben. Das wäre auch für kleine Vermieter von Vorteil, meint Schwarz. "Die Ortstaxe bedeutet großen Verwaltungsaufwand."

"Angemessene" Regulierung

Generell tritt Airbnb für eine "angemessene" Regulierung der Zimmervermietung ein, wobei klar zwischen gewerblichen und privaten Anbietern unterschieden werden sollte, und zwar innerhalb und außerhalb von Airbnb, fordert Schwarz. Es könne nicht sein, dass Privatleute, die ihre Wohnung an Wochenenden oder während des eigenen Urlaubs an Reisende vermieten, die gleichen Auflagen haben wie große Hotelketten.

Das strenge Vorgehen von Städten wie Berlin, New York oder San Francisco findet Airbnb unverhältnismäßig und wehrt sich dagegen teilweise juristisch. In seiner Heimatstadt San Francisco etwa zog das Unternehmen gegen ein Gesetz vor Gericht, nach dem es keine Buchungsgebühren von Unterkunftsgebern entgegennehmen darf, die sich nicht bei der Stadt angemeldet haben. Der Registrierungsprozess dauere nun 30 Tage, was die Aktivitäten von potenziellen Anbietern verhindere, so Schwarz.

Und in Berlin, wo wegen des strengen Zweckentfremdungsverbots große Unsicherheit bei den Airbnb-Unterkunftsgebern entstanden ist, sagten sowohl Politiker als auch der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin, dass die Regelung über das Ziel hinausschieße.

Wachstum in letzten drei Jahren

In Österreich werden auf Airbnb mittlerweile rund 1.000 Unterkünfte angeboten, davon etwa 7.700 in Wien. Das Wachstum fand vor allem in den letzten drei Jahren statt, so Schwarz. Seit 2008 zählte Airbnb kumuliert 940.000 Gästeankünfte, was einem Marktanteil von rund 1 Prozent entspricht.

Die beliebtesten Reiseziele der Airbnb-Reisenden sind Wien, Salzburg und Innsbruck. Das Publikum sei sehr international, betont Schwarz. 69 Prozent der Österreich-Urlauber, die ihre Schlafstätte via Airbnb buchen, stammen aus Europa, 16 Prozent aus Amerika. Das Durchschnittsalter der Verreisenden beträgt 34 Jahre. Vielfach wird das Portal von Familien genutzt: die durchschnittliche Reisegruppengröße liegt bei 2,5 Personen.

Die österreichischen Gastgeber sind mit durchschnittlich 38 Jahren noch etwas älter. "81 Prozent der Gastgeber haben nur eine Unterkunft", so Schwarz.

"Entdeckungen" nicht geplant

Das neue Produkt "Entdeckungen", das Airbnb vor eineinhalb Wochen in L.A. vorgestellt hat, sind für Österreich momentan nicht geplant. Der Konzern will dies auch von der Nachfrage abhängig machen. "Wenn zum Beispiel aus Wien besonders viele Vorschläge kommen, werden wir uns bemühen, Entdeckungen hier freizuschalten", so Schwarz. Airbnb will vorerst in 12 und bald in 39 weiteren Städten auch Ausflüge oder Events vermitteln. Private Reiseführer müssen sich mit einem Konzept bewerben, bevor sie es auf Airbnb anbieten könnten. Airbnb verlangt eine Provision von 20 Prozent und hilft den Anbietern im Gegenzug bei der Vermarktung ihrer "Entdeckungstour".

Bei der klassischen Zimmervermittlung bekommt Airbnb eine Provision von 9 bis 15 Prozent, wobei 97 Prozent des Preises beim Unterkunftsgeber verbleiben, den Rest der Gebühr zahlen die Reisenden.

Homesharing Club

Was es auch in Wien seit kurzem gibt: einen sogenannten Homesharing Club – eine Gruppe von Airbnb-Gastgebern, die sich zum Beispiel gegen eine zu strenge Regulierung einsetzen oder über Steuerthemen informieren. Die "Clubs" bekommen für ihre Aktivitäten Unterstützung von Airbnb, auch finanzieller Natur. Als Gratis-Lobbying will der Konzern dies aber nicht verstanden wissen.

"Wir unterstützen die Home Sharing Clubs projektbezogen und haben das immer offen kommuniziert", so Schwarz. In San Francisco hatte Airbnb 7.000 seiner 15.000 Gastgeber dazu gebracht, gegen das strengere Gesetz zu protestieren. Auch in Berlin gibt es einen solchen Club, deren Mitglieder bei Politikern Stimmung gegen eine Gesetzesverschärfung machen. Airbnb betont, dass die Vereine unabhängig sind. (APA, 28.11.2016)

  • Der Tourismusverband Mayrhofen in Tirol will die private Zimmervermietung über Airbnb forcieren.
    foto: reuters / shino

    Der Tourismusverband Mayrhofen in Tirol will die private Zimmervermietung über Airbnb forcieren.

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