Kostenlose Organtransplantationen für Menschen in Pakistan

28. November 2016, 10:03
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Ein pakistanischer Arzt behandelt Arme seit Jahrzehnten kostenlos, 300 Transplantationen und 260.000 Dialyse-Sitzungen wurden in seinem Institut im Vorjahr durchgeführt

Mangelhafte Ausstattung, Korruption, Geldnot – in vielen staatlichen Krankenhäusern in Pakistan herrscht Chaos. Doch ein Arzt aus Karachi versorgt jährlich hunderttausende Arme kostenfrei.

Das von Adibul Rizvi gegründete Sindh Institute of Urology and Transplantation (SIUT) hat mittlerweile zehn Gesundheitszentren in ganz Pakistan mit insgesamt 1.200 Betten, wo Millionen Menschen in den vergangenen vier Jahrzehnten lebensnotwendige Hilfe erhielten, vor allem Nierenkranke.

Vor dem Transplantationszentrum in Karachi campieren Kranke aus der Umgebung auf dem heißen Beton – in der Hoffnung auf eine letzte Chance. Drinnen geht Adibul Rizvi durch die überfüllten Säle. Von 8.00 Uhr bis nach Mitternacht besucht der 79-Jährige seine Patienten am Bett, auch bei Transplantationen ist er noch dabei. Vor 42 Jahren fing er mit acht Betten an, heute ist sein Institut eines der größten Transplantationsnetzwerke Südasiens.

Durch Spenden finanziert

"In einem Entwicklungsland haben die Menschen nicht die Mittel, sich behandeln zu lassen", erzählt er mit Verweis auf die Armut, die sein Personal erlebe. Finanziert wird die Behandlung größtenteils durch Spenden. Nach dem Modell einer Solidargemeinschaft wandte sich Rizvi "an alle Bürger, um sie zu Partnern zu machen". Mit etwa 30 Prozent beteiligt sich auch der Staat am Budget.

Rizvis Philosophie lautet: "Jedes menschliche Wesen hat das Recht auf Gesundheitsversorgung, auf ein Leben in Würde." Allein 2015 wurden so mehr als 300 Transplantationen und 260.000 Dialyse-Sitzungen kostenlos vorgenommen, Nachbehandlungen und Medikation inklusive.

Als das Institut 1974 gegründet wurde, war es schwierig, die streng muslimischen Pakistaner vom Sinn solcher Spenden zu überzeugen. Zwar ist Mildtätigkeit eine der fünf Säulen des Islam, doch glaubten viele, Organspenden verstießen gegen das islamische Recht, die Scharia. Daher holte Rizvi die Geistlichen ins Boot: "Glücklicherweise stimmten alle zu, dass die Organspende islamisch und erlaubt sei." Allerdings mit der Einschränkung, dass alle Erben der Spende zustimmen und Organe von Muslimen nicht in Andersgläubige verpflanzt werden dürften. Noch immer hemme mangelnde Aufklärung seine Arbeit, bedauert Rizvi.

Sauber und effizient

Wer das SIUT-Haupthaus betritt, ist beeindruckt von der Sauberkeit und Effizienz, an der es vielen anderen Klinken im Land mangelt. In einer hellen Kinderstation sitzen junge Patienten bei der Dialyse. Die Sozialarbeiterin Sanober Ambreen begleitet sie mit Musikunterricht und Malerei. Die Kinder seien doppelt gestraft, betont sie: Stundenlange Dialyse-Sitzungen erschwerten den Schulbesuch.

So geht es der zierlichen Hina Hameed, die in einer Ecke der Station liegt. Die 17-Jährige kommt seit ihrem vierten Lebensjahr zur Dialyse und verließ die Schule in der siebenten Klasse. "Ich wünschte, ich könnte wieder anfangen", sagt sie – wenn sie eine Spenderniere bekäme.

Ein paar Zimmer weiter liegt Ejaz Mushtaq – ans Bett gekettet und bewacht von einem bewaffneten Polizisten. Mushtaq wird beschuldigt, einen Polizisten angegriffen zu haben, was er bestreitet. Seit in der Untersuchungshaft seine Nieren versagten, kommt er zwei Mal pro Woche zur Dialyse. "Das ist eine gute Einrichtung, vor allem für Arme", lobt er.

Rizvi zufolge erhalten Patienten wie Mushtaq die gleiche Behandlung wie andere: "Gleiches Essen, gleiches Bett." Auch wenn das manchem nicht gefalle. Ein paar Mal sei er deshalb bedroht worden, berichtet Rizvi schulterzuckend. "Wir reden dann und ich sage: Er ist wie du und ich. Soll ich ihn sterben lassen?" (APA, 28.11.2016)

  • Der 79-jährige Adibul Rizvi besucht seine Patienten von morgens bis abends am Krankenbett, auch bei Transplantationen ist er noch dabei.
    foto: apa/afp/asif hassan

    Der 79-jährige Adibul Rizvi besucht seine Patienten von morgens bis abends am Krankenbett, auch bei Transplantationen ist er noch dabei.

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