Schweizer Atom-Ausstieg: Angst vor dem Blackout

Kommentar27. November 2016, 18:47
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Die Eidgenossen verpassten eine gute Chance, ihre Energiewende einzuleiten

Die Schweizer geben sich atomfreundlich. Sie wollen laut Volksabstimmung von einem festen Zeitplan für den Ausstieg aus der Kernenergie nichts wissen. Das sind schlechte Nachrichten aus dem Alpenland. Denn die fünf betagten Schweizer Atomkraftwerke, allen voran das älteste der Welt in Beznau, stellen Risiken für Mensch und Umwelt dar – auch in den Nachbarländern. Die Bevölkerung in Baden-Württemberg etwa muss jetzt weiterhin im Schatten der helvetischen Reaktoroldies leben.

Die Eidgenossen verpassten eine gute Chance, ihre Energiewende einzuleiten. Diese Wende, mit konsequenter Nutzung erneuerbarer Energien, wäre machbar gewesen.

Doch die Grünen drangen offensichtlich mit ihren abgewogenen Argumenten gegen die "Energiequelle von gestern" nicht durch. Regierung und Atombosse hingegen schürten die Angst der grundsätzlich konservativen Eidgenossen. Einmal hieß es, ein überstürzter Ausstieg führe zu Blackouts, dann wieder hieß es, die Schweiz müsste nach dem Ende der AKWs massenhaft "Drecksstrom" importieren. Und AKW-Betreiber drohten damit, sich Milliardenverluste vom Staat zurückzuholen – vom Steuerzahler also.

Vielleicht beschließt das Parlament doch noch einen festen Ausstiegsplan. Falls es nicht dazu kommt, bleibt nur eine Hoffnung: Die Schweizer Behörden dürfen die Meiler nicht künstlich am Leben halten. Beim geringsten Verdacht auf eine Störung müssen die Veteranen vom Netz. (Jan Dirk Herbermann, 27.11.2016)

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