1:2 gegen Sturm: Rapids Leiden in der Verlängerung

27. November 2016, 18:22
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Ein abgefälschter Schuss von Schmerböck in der Schlussphase bringt den Grazern den Sieg, mit dem sie wieder die Tabellenspitze zurückerobern. Rapid bereits 13 Punkte hinter Sturm

Wien – Damir Canadi ist kein Feigling. Der neue Rapid-Trainer rotiert und rotiert, ändert das System von Spiel zu Spiel. Die Gefahr besteht freilich, dass er seine Mannschaft verwirrt und überschätzt. Die ersten beiden Partien bescherten Canadi ein 1:2 in Salzburg und ein 0:1 in Genk. Am Sonntagnachmittag war Sturm Graz im mit 26.200 Zuschauern prall gefüllten Allianz-Stadion zu Gast, und Rapid probierte es mit einer 3-4-1-2-Variante. Der Druck war angesichts der grauenhaften Tabellensituation nach 15 Runden groß, der Trainer sprach von einem "Sechs-Punkte-Spiel".

Er mischte durch, wechselte im Vergleich zur Europa League fünf Positionen aus, so bekam der vor allem Fachleuten bekannte 22-jährige Osarenren Okungbowa (kein Legionär, ein Österreicher) eine Chance im defensiven Mittelfeld. Canadi setzte auch auf die Kraft des Publikums, das bei Rapid nur ein System kennt (anfeuern). 10. Minute: Die Kraft von Lykogiannis war so nicht vorgesehen, der Grieche hämmert ein Freistoß zum 1:0 für Sturm in die Kreuzecke. 13. Minute: Corner Traustason, der lange Georgier Kvilitaia schraubt sich in die Höhe, köpfelt das 1:1.

Und so entwickelte sich ein gutes Match zweier Teams, die den Kampf nicht scheuen. Die Grazer wollten mutig sein, laut Trainer Franco Foda zeigen, "dass wir da sind". Und sie waren wirklich da. Aber auch Rapid war nicht weg. Fehlpässe waren freilich nicht zu verheimlichen, an der Präzision sollten beide arbeiten, Rapid mehr. Canadi brachte zur zweiten Halbzeit Mocinic anstelle des überforderten Okungbowa, Sturm startete schwungvoll, kam dem Führungstreffer zweimal nahe.

Bei Rapid passte zwar der Wille, ein Werk ist aber erneut nicht entstanden. Im Gegenteil. 81. Minute: Max Hofmann fälscht einen Schuss von Schmerböck ins eigene Tor ab, Sturm siegte 2:1, bleibt Tabellenführer. Kein Punkt in einem "Sechs-Punkte-Spiel" ist in jedem System mickrig. Die Lage in Hütteldorf hat sich verschlimmert, Sturm und Altach haben 13 Zähler mehr. Canadi hat einen Rekord, mit drei Niederlagen begann noch kein Rapid-Trainer. (hac, 27.11.2016)

16. Runde:
SK Rapid Wien – SK Sturm Graz 1:2 (1:1)
Wien, Allianz Stadion, 26.200, SR Schüttengruber

Torfolge:
0:1 (10.) Lykogiannis (Freistoß)
1:1 (13.) Kvilitaia
1:2 (81.) Schmerböck

Rapid: Strebinger – M. Hofmann, Schößwendter, Wöber – Traustason, Grahovac, Okungbowa (46. Mocinic), Schrammel – Schaub (70. Jelic) – Schobesberger (60. Szanto), Kvilitaia

Sturm: Gratzei – F. Koch, Spendlhofer, Schulz, Lykogiannis – Matic, Jeggo – P. Huspek, Alar, Schmerböck (84. Potzmann) – Edomwonyi (71. Zulechner)

Gelbe Karten: Keine bzw. Jeggo

Stimmen

Damir Canadi (Rapid-Trainer): "Es war ein sehr intensives Spiel. Es ist ärgerlich, dass wir aus einem individuellen Fehler in Rückstand geraten sind. Der Freistoß war dann ein Traum, wir haben aber postwendend den Ausgleich erzielt und waren dann ordentlich drinnen im Spiel. Auch die zweite Hälfte war ausgeglichen, wir haben unsere Situationen in der Offensive aber nicht richtig ausgespielt. Wenn es nicht so läuft, wird man dann auch noch sehr hart bestraft. Wenn wir zweimal gewonnen hätten, was sowohl in Genk als auch heute möglich gewesen wäre, wäre alles positiv gewesen. Ich werde die Mannschaft unterstützen, alles geben, damit es besser wird."

Franco Foda (Sturm-Trainer): "Wir sind klarerweise zufrieden, wenn man bei Rapid gewinnt. Das ist nicht so einfach, sie haben nach wie vor eine gute Mannschaft. Es war ein sehr intensives Spiel mit hohem Tempo, ist rauf und runter gegangen. Die Mannschaft hat taktisch alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, aber die Kontersituationen müssen wir besser ausspielen. In den letzten vier Spielen hatten wir nicht so performt, wie wir das wollten. Bei so einem kleinen Hänger musst du durch, weiter daran glauben, das haben wir getan und sind belohnt worden. Mit dem Herbstmeistertitel haben wir uns nicht beschäftigt, weil es keinen Sinn macht. Wichtig sind die Punkte."

  • Nach dem Ausgleich von Kvilitaia (Mitte) schöpfte Rapid wieder Hoffnung.
    foto: apa/hans punz

    Nach dem Ausgleich von Kvilitaia (Mitte) schöpfte Rapid wieder Hoffnung.

  • Am Ende aber jubelten die Grazer.
    foto: apa/hans punz

    Am Ende aber jubelten die Grazer.

  • Und die Rapidler verließen einmal mehr das Feld mit hängenden Köpfen.
    foto: apa/hans punz

    Und die Rapidler verließen einmal mehr das Feld mit hängenden Köpfen.

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