"News"-Beilage: Presserat rügt Kommentar über muslimische Zuwanderer

27. November 2016, 17:38
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Verstoß gegen den Ehrenkodex wegen unzulässiger Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung

Wien – Der österreichische Presserat rügt nach einer Mitteilung eines Lesers einen Artikel in der "News"-Beilage "Wirtschaft Spezial". Konkret geht es um den Kommentar "Depesche aus Ösien – Die Integrationsfalle oder der größte Irrtum der europäischen Geschichte", der am 20. August in dem Magazin erschienen ist.

"Sie kennen keinen Respekt vor unserer Kultur"

Der Artikel enthält die folgende Passage: "Der größte Irrtum der europäischen Geschichte wird es in der Nachbetrachtung einmal gewesen sein, geglaubt zu haben, die muslimischen Zuwanderer wären auf den alten Kontinent gekommen, um sich in das reiche, opulente, vielleicht über dem Zenit stehende Europa zu integrieren und uns ihre Kinder zu schenken. Sie kamen, um die saturierten, schwachen, vor lauter Intellekt wehrlosen Europäer zu integrieren und sich unsere Kinder zu nehmen. Sie zeigen nicht das geringste Interesse für unsere historischen und technischen Errungenschaften von der Aufklärung bis zur Hochtechnologie; sie kennen keinen Respekt vor unserer Kultur oder unserer sozialen Entwicklung. Sie empfinden nicht die geringste Sympathie für unseren Lebensstil und haben keinerlei Leidenschaft für unsere hart erkämpfte Vorstellung von Freiheit. Das ist kein Vorurteil, kein Verdacht, sondern schlichte Empirie: Sehr viele von ihnen lassen ihre eigene, aus unserer Perspektive oft sozial, technologisch und kulturell rückständige Welt nicht etwa erleichtert zurück; nein, sie sind geradezu wütend erpicht darauf, ihre Form von Kultur von der Kleidung über die Küche bis zum Ehrenmord an den weiblichen Familienangehörigen und zur Blutfehde mit Andersdenkenden in Mitteleuropa fortzusetzen. Sie wollen bei uns leben, wie sie in ihrer alten Heimat gelebt haben, nur materiell besser. Und wenn man den Berichten über die öffentliche Unterstützung vielköpfiger Familien glauben darf, dann gelingt das vielen von ihnen ganz hervorragend."

Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung

Der Senat des Presserats sieht gleich in mehreren Aussagen des Beitrags eine unzulässige Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung un damit einen Verstoß gegen Punkt 7 des Ehrenkodex. Besonders problematisch empfindet der Senat laut Aussendung jene Ausführungen, wonach die muslimischen Zuwanderer nicht gekommen wären, um sich zu integrieren und uns ihre Kinder zu schenken, sondern vielmehr deshalb, um die Europäer zu integrieren und ihnen ihre Kinder zu nehmen. Dies schüre Vorurteile und Ängste. Ein weiteres Negativbeispiel sei die Äußerung, dass sehr viele Zuwanderer "geradezu wütend erpicht darauf seien, ihre Form von Kultur von der Kleidung über die Küche bis zum Ehrenmord an den weiblichen Familienangehörigen und zur Blutfehde mit Andersdenkenden in Mitteleuropa fortzusetzen."

Problematisch sind für den Senat auch die Aussagen, dass muslimische Zuwanderer nicht das geringste Interesse für die Ideen der Aufklärung und für Hochtechnologie zeigten und auch nicht die geringste Sympathie für den westlichen Lebensstil hätten. Der Verfasser erwecke bei den Lesern den Eindruck, dass diese Zuwanderer durch die Bank rückständig, respektlos und integrationsunwillig wären, heißt es. (red, 27.11.2016)

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