Krimiserie "Marcella" auf Netflix: Jagd auf sich selbst machen

28. November 2016, 07:00
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Der Schwede Hans Rosenfeldt ließ schon mit der Serie "Die Brücke" ein Faible für Typen erkennen, die neben der Spur stehen

Kennen Sie das? Sie sitzen im Auto, in der U-Bahn, im Büro und haben keine Ahnung, wie zum Henker Sie dort hingekommen sind. Nur schemenhaft können Sie sich erinnern, wie Sie sich frühmorgens an ihrer Kaffeetasse angehalten haben. Aber dann: Filmriss. Und dann wachen Sie wieder auf.

Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie seien Marcella, Anfang 40, namensgebende Protagonistin der Netflix-Serie, Mordermittlerin bei der Londoner Polizei. Sie haben es mit einem Serienmörder zu tun. Sie und Ihr Team untersuchen die Fälle, aber nur Sie selbst hegen einen fürchterlichen Verdacht: dass Sie selbst die Täterin sein könnten. Sie ahnen es, aber Sie wissen es nicht.

Denn Sie haben, sprechen wir es offen aus, Probleme: Sie haben Aussetzer, neigen zu Gewaltausbrüchen, sitzen plötzlich blutverschmiert in der Badewanne. Dagegen nehmen sich morgendliche U-Bahn-Wachtraumepisoden geradezu harmlos aus. Doch Sie ermitteln weiter, mit Hochdruck. Sie kompromittieren Beweismaterial. Sie hoffen inständig, sich nicht selbst des mehrfachen Mordes überführen zu müssen.

Und natürlich müssen Sie auch noch feststellen, dass Ihr Ehemann doch nicht so solid und ihre Tochter doch nicht so lammfromm ist, wie Sie es gern hätten. So ein Pech.

Der schwedische Schriftsteller, Drehbuchautor und TV-Moderator Hans Rosenfeldt ließ schon mit der Serie "Die Brücke" ein Faible für Typen erkennen, die neben der Spur stehen. Und auch die gemeinsam mit Michael Hjort geschriebene Krimireihe um den Profiler Sebastian Bergman zelebriert das Böse im Guten. Auch Marcellas Leben ist kein Ponyhof. Jede Wette, dass das genug Stoff für eine zweite Staffel ergibt. Gut so. (Gianluca Wallisch, 28.11.2016)

  • Anna Friel ist "Marcella".
    foto: netflix

    Anna Friel ist "Marcella".

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