Putins Valdai-Klub und das Bilderberg-Image

Kolumne28. November 2016, 07:17
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Die Organisatoren der Valdai-Konferenz versuchen seit einigen Jahren das Verschwörungsimage loszuwerden

2004 hat Wladimir Putin nach dem Vorbild der jährlich abgehaltenen Münchner Sicherheitskonferenz die sogenannte Valdai-Konferenz gegründet. Sie fand wie schon 2015 in Sotschi am Schwarzen Meer statt. Bemerkenswert war, was aber in den Medien nur am Rande vermerkt wurde, dass im Präsidium während einer großen Putin-Rede zur Weltlage der frühere Bundespräsident Heinz Fischer, neben der finnischen Expräsidentin Tarja Halonen und dem südafrikanischen Exstaatschef Thabo Mbeki Platz genommen hatte.

Der Valdai-Konferenz ist auch ein permanent arbeitender Klub beigeordnet, der bei manchen Kommentatoren bereits die Ansicht wachsen ließ, es handle sich in Wirklichkeit um etwas Ähnliches wie die Bilderberg-Konferenz. Diese tagte, hermetisch abgeschlossen, heuer in Dresden.

Die Organisatoren versuchen seit einigen Jahren, mit der Veröffentlichung von Teilnehmerlisten jenes Verschwörungsimage loszuwerden, das Bilderberg umgibt. Die Spitzenleute aus Politik, Wirtschaft und Kultur regierten die westliche Welt, sie hätten sogar den Neoliberalismus erfunden und dessen Implementierung beschlossen, heißt es vielfach.

Das konnte nie nachgewiesen werden, weil es sich dabei nicht um die Erfindung einiger Potentaten handelt, sondern um die Entwicklung einer Wirtschaftspolitik, die bereits unter Ronald Reagan praktiziert und 1980 von Milton Friedman in einer TV-Serie formuliert und propagiert wurde.

Vom immer noch einflussreichen Bilderberg-Ehrenpräsidenten Étienne Davignon, dem EU-Vizepräsidenten 1981-85, wurde jedoch bestätigt, dass die Einführung des Euro auf einer der Konferenzen nicht nur diskutiert, sondern sogar empfohlen wurde.

Einladungen werden vom Vorsitzenden Henri de La Croix de Castries selbst, dem mit Oktober abgetretenen Chef des Versicherungskonzerns AXXA, und einem achtköpfigen Lenkungsausschuss, dem viele Jahre auch der ehemalige Zeit-Chefredakteur Theo Sommer angehörte, ausgesprochen. Oft teilgenommen hat Exkanzler Franz Vranitzky.

Heftige Kritik gibt es immer wieder an den Sicherheitskosten, die jeweils in die Millionen gehen. Wenn schon derart mächtige und sicherlich auch vermögende Granden zusammenkommen, mögen sie diese Summen mittragen und sie nicht den Steuerzahlern aufbürden, heißt es unisono.

Solche Fragen kommen in Russland nicht auf. Ebenso wie bei den Bilderberg-Tagungen ist bei den Valdai-Konferenzen die Teilnehmerzahl mit 130 begrenzt. Wegen der Grundsatzreden Putins und der Vernetzungen wächst das Interesse in Ost und West. Im Internet kann man auf Video den ehemaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und den Automanager Siegfried Wolf sehen, wie sie dem russischen Staatschef lauschen.

Wieder einmal hat Putin die "Einkreisungspolitik des Westens gegenüber Russland" attackiert und die Teilnehmer aufgerufen, sein "Angebot an eine Stabilisierung der Welt" anzunehmen. Sollte Norbert Hofer die Wahl am 4. Dezember gewinnen, wird die Botschaft von Sotschi in Wien Realität. (Gerfried Sperl, 28.11.2016)

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