Türkei: Festgenommene BBC- und WDR-Journalistin freigelassen

28. November 2016, 09:44
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Hatice Kamer wird nach Recherche in Kurdengebieten "Terror-Unterstützung" vorgeworfen

Istanbul/Köln – Im kurdisch geprägten Südosten der Türkei ist eine Journalistin vorübergehend festgenommen worden, die unter anderem für den deutschen WDR und die britische BBC arbeitet. Hatice Kamer sei am Sonntag nach einer Nacht in Haft freigelassen worden, teilten die beiden Sender am Sonntag mit. Laut WDR sagte Kamer in einem Telefonat, dass sie wegen "Terror-Unterstützung" angeklagt werden solle.

Die türkische Journalistin war während Recherchen über ein Unglück in einer Kupfermine in der Kurdenregion Siirt festgenommen worden. Kamer habe die ganze Nacht im Hauptquartier der Polizei in Siirt zugebracht, teilte die BBC mit, für deren türkischsprachiges Programm BBC Türkce die Journalistin unter anderem arbeitet. Die türkischen Behörden gaben demnach auch nach Kamers Freilassung keine Erklärung zu dem Fall ab. Kamers Familie und ihr Anwalt bestätigten dem WDR die Freilassung.

Anklage wegen "Terror-Unterstützung"

In einem Telefongespräch nach ihrer Freilassung sagte Kamer dem WDR, es gehe ihr den Umständen entsprechend gut. Ihr sei mitgeteilt worden, dass sie sich einem Prozess stellen müsse. Die Anklage werfe ihr vor, durch ihre Berichterstattung die als Terrororganisation verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt zu haben. Dafür gebe es keinerlei Belege, sagte Kamer laut WDR.

Bei dem Minenunglück am 17. November in der mehrheitlich von Kurden bewohnten Region waren nach neuen Angaben mindestens elf Menschen ums Leben gekommen, nach fünf Vermissten wurde noch gesucht. Kamer hatte laut BBC Türkce versucht, mit Angehörigen der Bergleute in Kontakt zu treten.

Der WDR hatte am Sonntag unter Berufung auf Angaben der Familie Kamers zunächst mitgeteilt, deren Festnahme sei zunächst damit begründet worden, dass sie Fotos auf militärischem Gebiet gemacht habe.

Scharfe Kritik vom Deutschen Journalistenverband

Kamers Anwalt und Familie vermuten laut WDR, Hintergrund des Verfahrens gegen die Journalistin könne ihre Berichterstattung über unliebsame Themen sein. Die 39-Jährige ist seit Jahren als Reporterin für den WDR tätig, besonders für die WDR-3-Sendereihe "Türkei unzensiert". Kamer arbeitet laut BBC überdies für den US-Auslandssender Voice of America und leitet eine Journalistenvereinigung im Südosten der Türkei.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte die Festnahme der Reporterin scharf. Der erneute Fall zeige, wie die türkische Regierung derzeit unliebsame Journalisten drangsaliere. Kamer habe bis zu ihrer Festnahme zu den wenigen Kollegen gezählt, "von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben", erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall laut WDR.

Seit dem versuchten Militärputsch im Juli gehen die türkischen Behörden mit aller Härte gegen ihre mutmaßlichen Gegner vor. Das betrifft nicht nur mutmaßliche Anhänger des im Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch verantwortlich macht, sondern auch mutmaßliche Anhänger der PKK sowie regierungskritische Journalisten.

Zehntausende Menschen insbesondere aus dem Bildungswesen, den Medien, den Streitkräften und der Justiz wurden seit Juli festgenommen, zehntausende weitere aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert. Nach Angaben von Journalistenvereinigungen schloss die türkische Regierung in den vergangenen Monaten bereits mehr als 150 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender. (APA, 28.11.2016)

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