Lichtenegger: "Jeder Baum, der fällt, fehlt der Stadt"

Interview28. November 2016, 08:08
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Am Montag wird die Grüne als Bezirksvorsteherin angelobt. Sie will die Schulwegsicherung im Zweiten angehen

Wien – Montagabend wird Uschi Lichtenegger als erste grüne Bezirksvorsteherin in der Leopoldstadt angelobt. Bei der Wiederholung der Bezirksvertretungswahl im September feierte ihre Partei einen überraschenden Sieg. Mit 35,3 Prozent konnten sie das Amt der Bezirksvorsteherin gewinnen. Bei der vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen Wahl im Jahr 2015 lag die SPÖ mit 38,6 Prozent noch deutlich vorne. Die Grünen lagen mit 22,2 Prozent und nur 21 Stimmen vor der FPÖ auf Platz zwei.

Nach ihrer Angelobung will Lichtenegger, die seit 15 Jahren bei den Wiener Grünen aktiv ist, durchstarten. Ihr erstes Projekt soll die Schulwegsicherung im Zweiten sein. Aber auch die Umgestaltung des "Hot-Spots" Praterstern bleibt Thema für die Bezirkschefin.

STANDARD: Ihre Wahl zur Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt kam überraschend. Die Grünen haben bei der Wahlwiederholung im September eigentlich mit der FPÖ um Platz zwei gekämpft. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Lichtenegger: Ich war authentisch, habe einen guten Plan gehabt: ein Miteinander mit Mut. Ich habe Themen in den Vordergrund gestellt und damit die Leopoldstädter erreicht. Sehr viele waren auch wahlmüde und haben nicht nachvollziehen können, dass sie zum dritten Mal in diesem Jahr an die Urne gehen. Wir haben aber unsere Wähler motivieren können.

STANDARD: Sie sind mit vier Themen – Schule, Bürgerbeteiligung, Grünflächen und ein Miteinander – in den Wahlkampf gegangen. Was gehen Sie als Erstes ab morgen an?

Lichtenegger: Die Schulwegsicherung. Ich will mit den Abteilungen sprechen und Wege rasch sichern. Es ist mir wichtig, dass Kinder allein in die Schule gehen können und die Eltern sich wohlfühlen, wenn sie die Kinder loslassen.

STANDARD: Was sind die Probleme auf dem Weg in die Schule im Zweiten?

Lichtenegger: Wenn ein Kind im Volksschulalter hinter einem parkenden Auto steht, kann es nicht gesehen werden. Diese Sichtrelationen müssen verbessert werden. Das ist einfach, aber man muss es tun. Im Volkertviertel gibt es noch Probleme, etwa an der Ecke Pazmanitengasse und Am Tabor.

STANDARD: Im Wahlkampf forderten Sie "die beste Schule für jedes Kind". Wie soll diese aussehen?

Lichtenegger: Das rot-grüne Projekt "Gesunde Jause" gibt es jetzt seit zwei Jahren. Die Kinder bekommen eine gesunde Jause. Ich will, dass sie erleben können, wie diese Pflanzen wachsen, dass es in den Schulen Hochbeete gibt, in denen die Kinder ihre Karotten selbst anpflanzen und sie selbst ernten können. Wir nennen das "Essbare Leopoldstadt".

STANDARD: Das klingt sehr öko. Wie groß ist das Thema Umwelt heute noch bei den Grünen?

Lichtenegger: Es ist sehr wichtig. Gerade im Zweiten mit den Grünräumen. Jeder Baum, der fällt, fehlt der Stadt. Wir müssen es mit Blick auf den Klimawandel schaffen, dass Leute gerne zu Fuß gehen und aufs Fahrrad umsteigen.

STANDARD: Was fehlt im Zweiten für den Umstieg aufs Fahrrad?

Lichtenegger: Fühlen sich die Leute sicher, fahren sie mit ihren Kindern auf dem Radweg. Ich beobachte, dass viele Kinder auf dem Gehsteig bleiben. Man kann das Radfahren unterstützen, indem die Autos langsam fahren müssen: in vielen Wohnstraßen mit 30er-Zonen.

STANDARD: In welchen Straßen gibt es noch Probleme?

Lichtenegger: Etwa in der Haidgasse fahren große Touristenbusse, obwohl die Straße sehr eng ist. Daher trauen sich viele nicht, auf dem Radweg zu fahren. Ein Ansatz ist, dass die Busse nicht mehr durch die engen Gassen fahren dürfen.

STANDARD: Thema im Wahlkampf war der Praterstern. Wie wollen Sie mit dem Problemgebiet umgehen?

Lichtenegger: Ich suche jetzt das Gespräch mit Experten und will einen runden Tisch mit allen Parteien. Meine Hoffnung ist, dass wir mit den Umsetzungen nächstes Jahr beginnen. Wichtig sind mir zusätzliche Sozialarbeiter, damit wir die Leute auch erreichen.

STANDARD: Soll es auch bauliche Umgestaltungen geben?

Lichtenegger: Ja. Es gibt Grillagen, wo Blumen eingesperrt sind. Pflanzen hinter Gitter zu setzen ist kein gutes Zeichen für mich. Der Praterstern bekommt auch eine neue Nutzung: An ihn wird das Nordbahnviertel angebunden. Ich vermute, wir werden noch eine Gleisanlage dazubekommen.

STANDARD: Was sagt das Ergebnis der Leopoldstadt für die Bundespräsidentenwahl?

Lichtenegger: Es war mir wichtig, mich im Wahlkampf klar zu positionieren und ein Zeichen für die Präsidentschaft zu setzen. Der Präsident hängt in vielen Schulen. Heinz Fischer war sehr verbindend. Wenn ich in Schulen gehe, will ich weiterhin ein Bild von einer verbindenden Person und nicht von wem mit deutschnationalem Hintergrund. Ich wünsche mir Alexander Van der Bellen. (INTERVIEW: Oona Kroisleitner, 28.11.2016)


Uschi Lichtenegger (55) ist bei den Grünen aktiv und wird am Montag zur Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt angelobt.

  • Die grüne Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger will mehr Sozialarbeiter am Praterstern.
    foto: regine hendrich

    Die grüne Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger will mehr Sozialarbeiter am Praterstern.

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