Renzi baut Hürden für Fastfoodlokale in Italiens Stadtzentren

27. November 2016, 09:20
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Nach Protesten wegen der geplanten Eröffnung von Lokalen im Vatikan und in Florenz greift die Regierung zur Gegenwehr

Rom/Oak Brook – Nach der Diskussion wegen der geplanten Eröffnung von McDonald's-Restaurants im Vatikan und auf dem Domplatz in Florenz greift die Regierung von Premier Matteo Renzi zur Gegenwehr. Der Ministerrat hat eine Verordnung verabschiedet, mit dem sich die Bürgermeister der italienischen Städte gegen die Eröffnung von Schnellimbissen und anderen Geschäften im historischen Zentrum stemmen können.

Das Verbot, Kebab-Imbisse oder Fastfood-Restaurants zu eröffnen, soll die Stadtkerne und ihre Identität schützen, lautet das Vorhaben der Regierung. Sie handelt nun nach heftigen Diskussionen zwischen McDonald's und der Gemeinde Florenz. Der Stadtrat stemmt sich hartnäckig gegen eine McDonald's-Filiale auf ihrem berühmten Domplatz und sieht sich mit einer Schadenersatzforderung in Millionenhöhe konfrontiert. Die US-Fastfood-Kette hat Florenz beim zuständigen Verwaltungsgericht auf 17,8 Millionen Dollar Schadenersatz (16,8 Millionen Euro) verklagt.

Der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, hatte sich im Juni quer gestellt: Er verweigerte McDonald's die Genehmigung für eine Filiale auf der berühmten Piazza del Duomo. Der Mitte-Links-Politiker sagte zur Begründung, das traditionelle Gewerbe in dem Stadtviertel solle unterstützt werden. Die Kathedrale Santa Maria del Fiore mit ihrer charakteristischen Kuppel ist eines der Wahrzeichen von Florenz. Die Altstadt von Florenz, in der auch der Domplatz liegt, zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Hilfe vom Papst

Kampagnen werden auch gegen die geplante Eröffnung eines McDonald's-Restaurants nahe dem Petersplatz im Vatikan geführt. Ein Komitee von Bewohnern des an den Vatikan grenzenden Viertels Borgo Pio und der Konsumentenschutzverband Codacons baten den Papst um seine Unterstützung gegen die Eröffnung des Fastfood-Lokals.

Die Gefahr sei, die kulturelle und soziale Identität des Viertels zu verzerren, das bereits durch Massentourismus schwer belastet sei. Befürchtet werde auch ein "unkontrollierter Zustrom" von Besuchern, was für weitere Verkehrsprobleme im Stadtviertel sorgen könnte. Der Papst solle nicht zulassen, dass der Raum um den Vatikan, Magnet für Pilger aus der ganzen Welt, von Fastfood-Lokalen und Restaurants überschwemmt werde, hieß es im Schreiben an Franziskus. Auch Kurienkardinäle hatten sich bereits kritisch über das McDonald's-Restaurant mit Ausblick auf den Apostolischen Palast geäußert. Noch ist unklar, wann das McDonald's-Restaurant geöffnet werden soll. (APA, 27.11.2016)

  • Der italienische Premierminister Matteo Renzi will keine Burger am Petersplatz.
    foto: apa/dpa/peter kneffel

    Der italienische Premierminister Matteo Renzi will keine Burger am Petersplatz.

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