Herzerlbaum-Erfinder wirft Wien Verletzung der Vergaberichtlinien vor

26. November 2016, 12:08
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Clemens Kreitner wirft der Stadt vor, sie habe den Auftrag für den Christkindlmarkt rechtswidriger Weise direkt und ohne Beschluss vergeben, die Stadt verneint das

Wien – Einzelne überdimensional große rote Herzen stehen im Fensterbrett, auf einem Sideboard oder einfach in der Ecke. "Wir bekommen täglich viele Zuschriften und Beschwerden wegen dem fehlenden Herzerlbaum", sagt Clemens Kreitner von der Werbeagentur Kreitner und Partner zum STANDARD. Er habe die Herzen mitgenommen, es seien seine. Seit die Stadt Wien die Agentur seines Vaters Roman Kreitner vor über 30 Jahren erstmals mit der Ausrichtung des Wiener Christkindlmarkts am Rathausplatz beauftragt hatte, wurden die Urheberechte nie abgekauft.

Die öffentliche Hand könne es sich oft nicht leisten, das Urheberrecht an den Objekten abzukaufen und würde nur die Nutzung für einen bestimmten Zeitraum vertraglich vereinbaren, erklärt Kreiners Anwältin Vera Sundström im STANDARD-Gespräch. So sei es auch in diesem Fall gewesen.

"Als wir den Wiener Adventzauber 1985 erstmals durchgeführt haben, war die Zeit vor Weihnachten in Bezug auf den Tourismus eine tote Zeit", sagt Kreitner: "Heute ist sie die attraktivste Zeit für den Tourismus." Sein Herzerlbaum und die anderen geschmückten Bäume seien zu "Wahrzeichen" Wiens geworden, 55.000 Kinder hätten pro Saison in der Christkindlwerkstatt gebastelt.

Neues Konzept für Weihnachten

All das ist nun passé. Stattdessen gibt es "ein neues Konzept der Stadt", wie eine Sprecherin von Wien Marketing, die den Auftrag heuer erstmals bekommen habe, erklärt. Der Weihnachtstraum wurde zum Adventzauber. Statt den kleinen Pavillons, wo man den Brief ans Christkind schreiben, oder eine Geschichte hören konnte, wird jetzt im Rathauspark eisgelaufen. Die Bäume sind mit Lichterketten geschmückt, statt mit Päckchen, Zuckerstangen oder Schneemännern. Im Rathaus selber hat die Bäckerei Felber ein Kaffeehaus und Kinder können fertige Lebkuchen verzieren. Die Kreitners haben eine Urheberrechtsklage gegen die Stadt eingebracht, keines ihrer Objekte zu verwenden – außer den Herzerln liegen diese nämlich in einem Lager, das die Stadt angemietet hat und für das sie auch den Schlüssel hat.

Er habe eine "kalte Enteignung", dass sich die Stadt die Herzerln "unter den Nagel reißt" verhindern wollen, sagt Kreitner. Die Stadt habe schon zwei Konzepte des Familienbetriebs aus Wien Liesing einfach übernommen: Den Wiener Silvesterpfad und den Wiener Eistraum. Ein drittes Mal wolle man sich das nicht gefallen lassen. Schließlich habe sein Vater für die Projekte das silberne Verdienstzeichen der Stadt Wien und das goldene der Republik für diese Projekte bekommen, erzählt Kreitner.

Vergabeverfahren gegen Stadt

Eigentlich hätten die Kreitners auch heuer wieder den über die Landesgrenzen bekannten Christkindlmarkt ausrichten sollen. Anfang des Jahres gab es bereits ein Treffen mit der Stadt und neu dabei auch Wien Marketing. Dort habe es allerdings Unstimmigkeiten zwischen dem alten und dem zusätzlichen Auftragnehmer gegeben. Letztlich wurde der Auftrag nur an Wien Marketing, eine Tochter der Stadt, direkt vergeben. Die Kreitners haben daher ein Vergabeverfahren beim Wiener Verwaltungsgerichtshof eingebracht. Der Vorwurf: Das Projekt, das die Stadt etwa 1,07 Millionen Euro kostet, hätte nicht ohne Ausschreibung vergeben werden dürfen, da die Direktvergabegrenze von 100.000 Euro "deutlich überstiegen" wurde. Die Stadt kontert in einer dem STANDARD vorliegenden Stellungnahme, dass durch die "Inhouse"-Vergabe, also dadurch dass an eine Gesellschaft vergeben wurde, die im völligen Eigentum der Stadt steht, die Ausschreibung nicht nötig gewesen sei.

Auch habe ein Gemeinderatsbeschluss gefehlt. Denn das diesbezügliche Auftragsschreiben ist mit 23. Mai 2016 datiert, wie aus der Stellungnahme der Wirtschaftsagentur Wien hervorgeht. Der Beschluss zur Vergabe sei allerdings erst in einer Gemeinderatssitzung im Juni erfolgt. Das sieht man bei der Wien-Marketing GmbH anders: "Das war nur ein Vorvertrag, der besagt, dass wir im Fall eines Gemeinderatsbeschlusses einen Auftrag bekommen", heißt es gegenüber der Presse.

Herzerlbaum-Angebot

Die Kreitners warten nun ab, was bei den Verfahren entschieden wird. Seit einem halben Jahr gibt es keinen Kontakt mehr zur Stadt. Das will Kreitner ändern: Er appelliert an Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und bittet um ein Gespräch. Im Gegenzug will er den Herzerlbaum zumindest für die kommenden Wochen bis Weihnachten wieder zurückbringen: "Ich will die Versicherung, dass sich die Stadt mit uns an einen Tisch setzt und wir eine Lösung finden", sagt Kreitner: "Wir könnten die Herzen schon morgen montieren." Das würde wohl viele glücklich machen, eine Petition für den Herzerlbaum gibt es bereits. (Oona Kroisleitner, 26.11.2016)

  • Herzerlbaum-Erfinder Clemens Kreitner will von Michael Häupl (Mitte) eine Zusage für ein Gespräch. Dafür will er den Herzerlbaum vorerst wieder montieren.
    foto: apa/hans punz

    Herzerlbaum-Erfinder Clemens Kreitner will von Michael Häupl (Mitte) eine Zusage für ein Gespräch. Dafür will er den Herzerlbaum vorerst wieder montieren.

  • Vom Rathausplatz nach Liesing musste dieses Herzerl wandern. Die Herzerln gehen vielen Wienern ab.
    foto: oona kroisleitner

    Vom Rathausplatz nach Liesing musste dieses Herzerl wandern. Die Herzerln gehen vielen Wienern ab.

  • Eislaufen statt Brief ans Christkind. Der Wiener Weihnachtstraum hat ein "neues Konzept". Die Bäume bleiben dabei leer.
    foto: apa/hans punz

    Eislaufen statt Brief ans Christkind. Der Wiener Weihnachtstraum hat ein "neues Konzept". Die Bäume bleiben dabei leer.

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