Mozn Hassan erhielt in absentia den Alternativen Nobelpreis

Kopf des Tages25. November 2016, 17:51
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Wenn der Kampf für Frauenrechte zum Verrat wird

Wenn man auf der Homepage des "Right Livelihood Award" (RLA) die Laudatio auf die Ägypterin Mozn Hassan liest, wird man sich fragen, was der ägyptische Staat denn gegen sie haben kann: Bei ihrem Kampf für Frauenrechte vertritt sie ein Anliegen, das auch die Regierung für sich in Anspruch nimmt. Ihre Leistungen sind unbestreitbar: Dem Lobbying ihrer NGO Nazra ("Blick") ist es etwa zu verdanken, dass die Definition dessen, was ein sexuelles Verbrechen darstellt, 2014 im ägyptischen Strafrecht erweitert wurde.

Aber in einem Land, in dem für jede Misere, und sei sie noch so hausgemacht, ausländische Verschwörungen verantwortlich gemacht werden, wird ein Kritiker an den Verhältnissen schnell zum Staatsfeind. Verzweifelte Hilflosigkeit oder kalkulierte Ablenkungsversuche: Für kritische Nichtregierungsorganisationen bedeutet es jedenfalls, dass sie, sobald sie Kontakte zum Ausland pflegen und/oder politische Meinungen haben, kriminalisiert werden. Soeben läuft eine Verschärfung des NGO-Gesetzes.

Die 1979 geborene Mozn Hassan steht schon lange auf der roten Liste, ein Gerichtsfall wegen Auslandsfinanzierung wurde bereits 2011 eröffnet. Aber erst im Juni 2016 wurde der Ernst der Lage klar, als ihr verboten wurde, Ägypten zu verlassen. Internationale und ägyptische Frauenorganisationen taten sich im Protest zusammen: Der damals entstandenen Öffentlichkeit ist auch die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, wie der RLA oft genannt wird, zu verdanken.

Das Besondere an der feministischen Arbeit von Mozn Hassan, die einen Master in Menschenrechten an der American University in Kairo hat, ist ihre Kreativität: Da gibt es neben den "normalen" Aktivitäten und klassischen Empowerment-Projekten etwa "Feministenschulen" (auch für Männer!), Theaterprojekte zur Erforschung der Bedeutung des Maskulinen oder auch die Produktion von Comics und Musik, die die Idee des Feminismus verbreiten sollen.

Die 2007 von ihr gegründete "Nazra für feministische Studien" hat aber auch eine Gewalthotline und organisiert rechtliche Vertretungen für Frauen. Da liegt für die Behörden natürlich der Hund begraben: Gewalt gegen Frauen ist systemimmanent, sie kommt auch vom Staat. Es war ein gewisser General Abdelfattah al-Sisi, der 2011 während der Tahrir-Proteste die von Armeestellen vorgenommenen Jungferntests an Demonstrantinnen rechtfertigen musste. (Gudrun Harrer, 25.11.2016)

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    foto: right livelihood award
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