"The Parzival Company": Marodes Tafeltrüppchen

25. November 2016, 17:10
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Mit Fähnchen und Tapete: Darsteller und Inszenierung retten die Uraufführung von Max Langs neuem Stück im Bregenzer Theater Kosmos

Bregenz – In Max Langs neuem Stück The Parzival Company wird die Artusrunde zur Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen.

Der stürmische Applaus des Premierenpublikums galt dem Bregenzer Autor, auf den das Theater Kosmos große Stücke hält. Um die Kirche im Torf zu lassen (mit braunem, bröseligem Torf belegte Caro Stark den Boden): Dem Text hätte Straffung gutgetan, vor allem bei den Seelenstrips. Und Ausdrücke wie "Truchsess" und "Equity Compliance Manager" allein machen die behauptete Verschränkung von Zeiten und Wertesystemen nicht schlüssig.

Mit Holz und Blech

Parzival, ein schlapper Jüngling mit Aussteigerkindheit, kommt an den Firmensitz seines in ihn vernarrten Onkels Ewald, mampft ein Hühnchen, geht zwei Einflüsterungen auf den Leim und sucht sein Glück zuletzt – ohne Geld und Titel – mit der appetitlichen Condwiramurs. Die "Mitleidsfrage" wird zur Schlusspointe: Parzival erkundigt sich nach Condwiramurs‘ [!] Befinden, woraufhin Regisseur Stephan Kasimir alle Mitwirkenden, inklusive Tote, zusammenstehen, strahlen, nicken und durcheinandersprechen lässt: "Gut!", "Gut!", "Ausgezeichnet!"

Die Inszenierung ist so ritterlich, dass sie aus der Not eine Tugend macht: Es wird skandiert, getrommelt, geblasen in Holz und Blech, passend zur Bretterburg mit Fähnchen und Tapete. Das marode Tafeltrüppchen nimmt das Diktat von Ewalds Rundschreiben "an alle Königshäuser von Europa" mit wippenden, weißen Federn auf; die frisch Verliebte beklagt Parzivals Ignoranz der Umgangsformen Facebook und Twitter – da machen die unterschiedlichen Sprach- und Stimmfärbungen im männlichen Teil des Ensembles von Pierre Gold bis Peter Bad stübner schon um Welten mehr her. Boss ist und bleibt Haymon Maria Buttinger, dessen Ewald zwischen Siechtum und Schwadronieren, politischem Willen und Weltfremdheit zu Hochform aufläuft. (Petra Nachbaur, 25.11.2016)

Bregenz, Theater Kosmos, noch bis 10 12., 20.00

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