Warum polarisieren? Weil es uns ankotzt!

Userkommentar26. November 2016, 15:37
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Rücksichtslosigkeiten stören Fahrgäste. Manchmal muss man die Dinge eben auch beim Namen nennen. Eine Replik

"Die Verkehrsbetriebe sollten Toleranz, nicht Ablehnung wie in der aktuellen Kampagne betonen", fordert Laura Wiesböck in einem Userkommentar. Answer Lang antwortet in einer Replik für die Wiener Linien, warum kein toleranter Ansatz gewählt wurde.

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Können Sie sich noch an die letzte Kampagne der Wiener Linien zum Thema Hausordnung erinnern? Das war im Herbst 2013. Der Slogan lautete "Rücksicht hat Vorrang". Vermutlich haben Sie noch nie davon gehört. Diesmal ist das anders. Und das ist gut so.

Damals wie heute ging/geht es um ein angenehmes Miteinander in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei 2,5 Millionen Fahrgästen täglich in U-Bahnen, Straßenbahnen und Autobussen ist das tatsächlich ein wichtiges Thema. Und das nicht nur für die Wiener Linien sondern in allererster Linie für unsere Fahrgäste. Sie erwarten sich nicht nur ein dichtes Verkehrsnetz, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, sondern auch ein angenehmes Erlebnis in ihren Öffis.

Rücksichtslosigkeiten stören

Seit Jahren wissen wir aus Rückmeldungen unserer Fahrgäste, dass das Ignorieren der Hausordnung vielen aufstößt. Ganz weit oben auf der Hitliste der Öffi-Ärgernisse steht dabei lautes Telefonieren. Knapp gefolgt vom aufdringlichen Duft von Pizza, Kebap oder Leberkäse. Und dann kommen der Konsum von Alkohol und Hunde ohne Beißkorb und/oder Leine. All diese Rücksichtslosigkeiten und noch einiges mehr, stören unsere Fahrgäste. Um nicht zu sagen: Es kotzt sie an! Und wenn das schon so ist, dann muss man manchmal die Dinge eben auch beim Namen nennen.

Und genau das machen wir mit unserer aktuellen Hausordnungskampagne "Fahr fair". Wir sagen, wie es ist und flüchten uns nicht in schöne (Werbe-)Bilder, die eine heile Welt vorgaukeln. Weil es nunmal nicht lustig ist, neben jemandem zu sitzen, der seinen zerronnenen Pizzakäse nicht im Griff hat. Es ist auch nicht angenehm, in einen vermüllten Zug zu steigen, obwohl täglich Reinigungskräfte Züge und Stationen säubern. Und es muss auch nicht sein, dass sich Kinder vor einem Hund ohne Beißkorb fürchten müssen.

Nur Bitten und Appellieren bringt nichts

Das wollen wir aufzeigen und darauf einmal ein bisschen deutlicher aufmerksam machen. Weil uns die Vergangenheit gezeigt hat, dass nur Bitten und Appellieren nichts bringt. Das Interesse am spröden Thema Hausordnung war dabei stets recht überschaubar. Die aktuelle Kampagne hingegen sorgt für lebhafte Diskussionen – unter unseren Fahrgästen, in vielen konventionellen Medien, vor allem aber auf Facebook und anderen Kanälen und das seit Wochen. Und dann noch die hunderten – durchaus kontroversiellen oft aber sehr konstruktiven und ideenreichen – E-Mails, Anrufe und Briefe an uns zu dem Thema. Gut so!

Also: Es war klar, dass diese Kampagne polarisieren wird. Zwischen jenen, die es richtig finden, direkt zu sein und jenen, die einen anderen Ansatz bevorzugt hätten. Wir wollten uns nur nicht unter die auswechselbaren, weichgespülten, schönfärbenden anderen Kampagnen einreihen, deren Inhalt alle morgen schon wieder vergessen haben. Wir wollten Probleme konkret ansprechen, aufrütteln, eine Diskussion auslösen und zum Nachdenken anregen. Auch diese Debatte hier zeigt uns, dass das durchaus gelungen ist. (Answer Lang, 26.11.2016)

  • Eines der größten Öffi-Ärgernisse: der Duft von Leberkäse.
    foto: apa/georg hochmuth

    Eines der größten Öffi-Ärgernisse: der Duft von Leberkäse.

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