Rudi Klein: Der Herr der Dinge im Land der Duftbäumchen

Ansichtssache26. November 2016, 14:00
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Komplexe Zeiten, einfache Lösungen? Was in der Politik Gefahren birgt, ist beim Humor meist unumgänglich. Das Karikaturmuseum Krems zeigt mit Rudi Klein einen radikalen Vereinfacher und Kuriositätensammler

Wien – Schenkt man der sogenannten "komplizierten Biographie" Glauben, so hat der 1965 als Sohn eines Automechanikers im englischen Bristol geborene Superkünstler Rudi Klein 2007 seinen größten Sieg errungen: In der Galerie White Cube London präsentierte er einen mit 8601 Diamanten besetzten Platinabguss eines menschlichen Schädels mit dem Titel For the Love of God. Auf der Stirn befindet sich ein 52-Karat-Diamant. Am 1. August 2007 wurde das Werk für 75 Millionen Dollar verkauft. Kann das sein? Leider ja, aber es geht auch bescheidener.

foto: niederösterreichische landessammlung
Man kann die Dinge auch anders sehen: Der Cartoonist Rudi Klein nimmt sich in seiner Werkserie "Vereinfachung einer nicht unkomplizierten Welt" zahlreiche Ikonen der Kunstgeschichte vor, wie etwa hier: Da Vincis Mona Lisa, wesentlich vereinfacht.

In Wahrheit hat der 1951 in Wien geborene Rudi Klein zwar nur Schuhgröße 42; sein Wirken als Zeichner, Schreiber und vor Ideen sprudelnde Inspirationsquelle muss aber dann doch ein paar Nummern größer bemessen werden. Im deutschsprachigen Raum weltbekannt wurde Rudi Klein mit seinen aufs Wesentliche reduzierten Comicstrips und Cartoons für Magazine und Zeitungen, darunter auch der STANDARD.

Das Karikaturmuseum Krems zeigt ab heute, Samstag, Werkserien Kleins, die über die letzten 15 Jahre abseits der Medienarbeiten entstanden sind. "Vereinfachung einer nicht unkomplizierten Welt" heißt die Serie aus der Sammlung des Landes Niederösterreich, die im Mittelpunkt der Schau steht. Klein zeigt die Dinge, wie er sie sieht: Ein Düsenjet wird zum Papierflieger, ein Revolver zum scharfgemachten Penis, ein gut geölter Arnold Schwarzenegger schlicht zum Hundstrümmerl.

Immer wieder Zielscheibe Kleins: Der Kanon und Aberwitz der Kunstgeschichte. So mutiert Andy Warhols bunter Mao zum knollennasigen Kugelkopf mit Leberfleck, Mona Lisa lugt einem mit Krummbuckel und Langnase entgegen. Dürers Feldhase stilisiert er zum Kitschfigürchen für Silvesterfeiern und Setzkästen.

Einen solchen hat man dann auch gleich in die Schau integriert. Als passionierter Sammler von allerlei Klumpert und Kramuri, international als "Trash" bekannt, arbeitet Klein an seiner ganz persönlichen Mythologie des Alltags, wie das Philosoph Roland Barthes einst nannte. Die Idee: Jedes noch so banale Ding kann eine bedeutende Geschichte, einen Mythos erzählen. Bei Rudi Klein reicht das Sammelsurium vom Einkaufszetterl ("Butter, Banane, Brösl, Brot") bis zu Duftbäumchen, Plastikrosenkränzen oder den merkwürdigsten Spritzpistolen seit Menschengedenken.

Lochgott und Kaugummi

Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg baute derartigem Krimskrams 1972 ein Mouse Museum. Rudi Klein hat sich seine Wunderkammer in einem als "Laden K" getarnten Atelier in der Wiener Favoritenstraße 1 eingerichtet. Im Buch Der Herr der Dinge (2014) liefert er die Geschichten dazu.

Das Karikaturmuseum zeigt weiters auch Kleins Bildhauerei in Form von Kaugummiskulpturen, Collagen zum Thema Alkohol und die berühmte Comicserie Der Lochgott. Darin gibt der Allmächtige seinen irdischen Schäfchen fiese Ratschläge aus einem Loch im Boden. So einfach, so gut. (Stefan Weiss, 26.11.2016)

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Christoph Ransmayr über Rudi Klein: Anrufung eines großen Herrn namens Klein

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Karikaturmuseum Krems

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foto: niederösterreichische landessammlung

Dürers Feldhase wird zum Tierchen für den Setzkasten.

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