Geld und Kultur für Lernerfolg nur "Mythos"

25. November 2016, 14:21
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Laut OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher auch Einfluss von sozialem Hintergrund insgesamt überschätzt – Getestete Schülerpopulation sei sehr wohl vergleichbar

Wien – Geld und hohe Wertschätzung von Bildung allein führen ein Land nicht an die Spitze der PISA-Studie. Das hat OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei einer Präsentation vor Journalisten betont. Auch dass der soziale Hintergrund ein entscheidender Faktor für das Abschneiden sei, gehöre zu den "Mythen" rund um den internationalen OECD-Bildungsvergleich unter 15-jährigen Schülern.

"Weniger als ein Viertel der Leistung lässt sich durch Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf erklären. Es müssen viele andere Faktoren berücksichtigt werden", so Schleicher. Die Welt sei nicht mehr geteilt zwischen reichen Ländern mit guten Bildungssystemen und ärmeren Ländern mit weniger guten. "Es ist interessant, dass die wohlhabenderen Staaten an der Leistungsspitze nur sehr dünn vertreten sind." Geld sei zwar prinzipiell notwendig, aber nicht ausreichend für gute Bildungsergebnisse.

Die Veränderungen der Länderergebnisse würden außerdem belegen, dass kulturelle Einflüsse wie die Wertigkeit von Bildung in einem Land das Abschneiden bei PISA nicht bestimmen: Immerhin hätten zwischen 2000 und 2012 mehrere Schulsysteme die Leistung um mehr als ein Schuljahr verbessert. "Diese Länder haben aber nicht ihre Kultur verändert, sondern ihre Bildungspolitik – und das hat zu besseren Ergebnissen geführt." Kultur spiele wohl in die Ergebnisse hinein. Aber einfach zu sagen, in Asien gebe es eben eine andere Einstellung zu Bildung und deshalb schneiden die Schüler bei PISA gut ab, greife zu kurz.

Überschätzt wird von PISA-Kritikern laut Schleicher auch die Rolle des sozialen Hintergrunds. Soziale Benachteiligung führe nicht automatisch zu schlechten PISA-Ergebnissen. Ein Beispiel: Bei PISA 2012 hätten in Mathematik die Schüler mit der stärksten sozialen Benachteiligung in Shanghai ähnlich abgeschnitten wie die privilegiertesten Schüler in den USA. Schleichers Schlussfolgerung: "Wo man zur Schule geht, ist viel entscheidender als der soziale Hintergrund." Gleichzeitig seien gute PISA-Ergebnisse sehr wohl kompatibel mit Chancengerechtigkeit: "Die Länder mit den besten Ergebnissen sind nicht generell selektiv."

Ein weiterer Vorwurf sei, dass die Länder mit den besten Ergebnissen nur deshalb so gut abschneiden, weil sie ihre Schüler für den Test gezielt auswählen und benachteiligte 15-Jährige nicht testen. Schleicher weist das zurück: 89 Prozent der Schüler aller Schulformen würden im Schnitt über die PISA-Studie erreicht. Tatsächlich getestet wird in allen Staaten freilich nur eine repräsentative Stichprobe. (APA)

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