Tschernobyl: Ein Betonmäntelchen über eine Notlösung stülpen

Ansichtssache mit Video29. November 2016, 11:26
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Es ist das größte bewegliche Bauwerk der Welt: Die verstrahlte Ruine von Tschernobyl wurde erneut eingemauert

Wien – Es handelt sich um einen eilig gebauten Sarkophag, der höchstens 25 Jahre halten sollte. Dieses Jahr wurde die Schutzhülle aus 7.000 Tonnen Stahl und mehr als 400.000 Kubikmetern Beton über der Atomruine von Tschernobyl 30 Jahre alt. Zum runden Jahrestag des Super-GAUs wird nun eine neue Kuppel darüber gestülpt. Es handelt sich dabei um das größte bewegliche Landbauwerk der Welt. Über Schienen wird die Konstruktion über den Reaktor geschoben, der am 26. April 1986 explodiert ist.

Der Abschluss der Bauarbeiten wurde am Dienstag offiziell gefeiert. "Yes, wir haben es geschafft", sagte Staatschef Petro Poroschenko dabei. "Vergleichen Sie das Objekt hinter mir mit dem Eiffelturm oder der Freiheitsstatue."

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Das Bauwerk ist eine doppelte Hülle aus Beton und Stahl und soll – so die optimistische Prognose der Konstrukteure – 100 Jahre halten. Ein Stahlgerippe, das mehr als 100 Meter hoch, 160 Meter lang und 260 Meter breit ist, hält eine Kuppel aus Beton. Diese bedeckt eine Fläche von etwa 85.000 Quadratmetern. Innerhalb der Kuppel gibt es mehrere Lagen. Das soll garantieren, dass Feuchtigkeit, Luft und Hitze drinnen beziehungsweise draußen bleiben.

Umstrittenes Bauprojekt

Sechs Jahre lang wurde daran gebaut, und 1,5 Milliarden Euro hat das Projekt mit dem Namen New Safe Confinement (NS) gekostet – und es ist durchaus umstritten. Denn die Kuppel wurde so konstruiert, dass der radioaktive Abfall eines Tages theoretisch verarbeitet werden könnte. Mehr als 180 Tonnen Material befinden sich laut Schätzungen unter dem Sarkophag. Wie der radioaktive Abfall entsorgt werden könnte, ist offen.

Doch Teil der Planung des Bauwerks war ein auf Jahrzehnte angesetzter Rückbauprozess. Aus diesem Grund ist ein Kransystem integriert, das sich durch das Material graben soll. Arbeitern ist es grundsätzlich möglich, das Bauwerk durch eine Schleuse zu betreten. Die große Hoffnung liegt auf der Entwicklung einer neuen Technologie, durch die radioaktiver Abfall entsorgt werden kann. (july, 29.11.2016)

Nachlese: Tschernobyl: Als Europa die Atomkraft fürchten lernte

afp

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko beim Festakt am Dienstag.

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Aktuelle Bilder aus Tschernobyl. Ein Arbeiter erklärt die Struktur des neuen Bauwerks.

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Bilder von den Bauarbeiten.

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