Prozess um Drohung: Die lange Schlange bei McDonald's

26. November 2016, 14:00
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Ein 26-Jähriger soll Kontrahenten mit dem "Abstechen" bedroht haben. Er sagt, er sei von den anderen beschimpft und attackiert worden

Wien – Genau genommen ist der mangelnde Kundenservice in einem Schnellrestaurant in der Mariahilfer Straße schuld, dass Öztürk C. (Name geändert, Anm.) mit einer Anklage wegen gefährlicher Drohung vor Richter Andreas Böhm sitzt. Er soll im November 2015 nach einem Streit bei McDonald's nämlich seinen Kontrahenten mit dem Erstechen gedroht haben.

Der 26-jährige Unbescholtene streitet die Vorwürfe ab. Seine Version der Geschichte: "Ich war mit einem Freund dort, und es war eine lange Schlange, weil nur eine Kassa geöffnet gewesen ist." Er sei daher an der Menschenmasse vorbeigegangen, um die Öffnung einer zweiten Kassa zu erbitten.

Fremdenfeindliche Beschimpfung

"Die beiden Herrschaften haben dann 'Scheißtürke' geschrien und dass ich mich hinten anstellen soll." Es kam zu einem Wortgefecht, später traf man einander vor der Tür. "Die haben dann wieder provoziert, ich habe gesagt: 'Burschen, gehts einfach weg', daraufhin hat mich einer gestoßen, dass ich umgefallen bin." Dass er "Mir reicht's, ich stech' euch jetzt ab!" gesagt und in die Jackentasche gegriffen habe, bestreitet der Angestellte.

Da die Gegner weggelaufen seien, sei er ihnen noch 200 Meter nachgerannt, ehe er in ein Taxi stieg und heimfuhr.

Der Freund des Angeklagten bestätigt dessen Version. Das Problem: Die Aussage ist ziemlich unglaubwürdig, da er auf kritische Nachfragen von Böhm zu stottern beginnt oder sehr lange überlegt. "Sie drücken etwas herum, aufgrund meiner Erfahrung ...", vermutet der Richter, dass der Zeuge nicht ganz die Wahrheit sagt.

Beschwerde beim Personal

Die beiden Burschen und ein Mädchen, die bedroht worden sein sollen, erzählen etwas ganz anderes. "Der Herr ist an der Schlange vorbeigegangen und hat sich laut beschwert, dass er jetzt sofort bestellen will", erzählt einer.

"Er ist dann auch bedient worden, wir haben gesagt: 'Bitte, stell dich an wie jeder normale Mensch.'" Es kam zu einem Wortgefecht, fremdenfeindliche Äußerungen seien aber nicht gefallen. Vor dem Lokal sei er später sofort wieder hergestürmt und habe weitergeschimpft, unter anderem den Koitus mit der Mutter angedroht. "Wir sind dann gegangen, er ist uns nachgelaufen und hat gesagt, er sticht uns ab." Erst dann sei er weggestoßen worden.

Einen Lacherfolg erntet Böhm, als er den aus Tirol angereisten Zeugen fragt, welches Transportmittel er benutzt habe. "Ich bin mit dem Zug gekommen", erfährt er. "Ah. Er ist nämlich Lokführer", deutet der Richter auf den Angeklagten.

Keine Vorstrafe

Eine Vorstrafe bekommt C. aber nicht. Böhm entscheidet sich nicht rechtskräftig für eine Diversion, der Angeklagte muss 1.000 Euro zahlen. Einen guten Rat hat der Richter auch noch: "Das nächste Mal Ruhe bewahren bei langen Schlangen." (Michael Möseneder, 26.11.2016)

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