Beurteilungsstufen: Noten und Idioten

25. November 2016, 09:15
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Vielleicht auch einmal Lernfortschritt zu benoten statt Lernprodukt?

Gefühlte 167 Mails zu meiner Glosse über die Definitionen der Noten 1 bis 5 (alias "Beurteilungsstufen"), wie sie jetzt der gesamten Pflichtschule drohen (doch, da ist noch gar nichts abgeblasen).

Herr L. schreibt: "War das bisher nicht ähnlich? Ich habe als Pfarrpastoralassistent an der Hauptschule Zwentendorf Religion unterrichtet. Vor der ersten Zeugnisbenotung stellte ich überrascht fest, dass ich allen, die den Lehrstoff beherrschten, ein Befriedigend hätte geben müssen. Für ein Sehr gut wären ,weit über das Wesentliche hinausgehende Leistungen' oder so ähnlich erforderlich gewesen. (...) Lob den Gesetzesbrecherinnen und -brechern!"

Eh war das schon "bisher ähnlich", nur a) nicht überall – in den 3. und 4. Klassen der neuen Mittelschule (NMS) hatten wir es die letzten Jahre mit einem siebenteiligen Notenbesteck zu tun, aber vergesst es, Kolleginnen, eine Arbeitsgruppe im Bundesministerium für Bildung (BMB) arbeitet gerade an deren Abschaffung! – und b) wann, wenn nicht jetzt, wo sie uns mit dem nächsten standardisiertem Zeug daherkommen, muss dagegen angekämpft werden?

Warum nicht ein Beurteilungsrahmen, der es der Lehrerin erlaubt, zwischendurch auch einmal das Kind, ja die Klasse zum Ausgangspunkt ihrer "Benotung" zu machen statt eine behördlich vorformulierte "Stufe"? Vielleicht auch einmal Lernfortschritt zu benoten statt Lernprodukt?

Vergleichen kannst du Noten sowieso nicht. Abgesehen davon, dass Erfolge und Misserfolge im späteren Leben mit Noten im früheren eh meistens genau null zu tun haben.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, wie der letzte der großen Bee Gees, Barry Gibb, in der Rückschau die unglaublichen Erfolge der Brüder beurteilt (Vox-Doku am vergangenen Samstag). Ihr Vorteil sei es gewesen, sagte er, dass man ihnen die Schule erspart habe. Er sei mit 14 "für immer raus" gewesen, seine Brüder Maurice und Robin sogar schon mit elf: "Es war wie bei Huckleberry Finn, statt in der Schulbank zu sitzen, waren wir frei für das, was wir wirklich wollten und konnten." Nur so zum Nachdenken ...

2004 wurde den dreien übrigens die Ehrendoktorwürde der Universität von Manchester verliehen. (Niki Glattauer, 25.11.2016)

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